Unternehmensführung : Cromme: Managerbezüge erfolgsabhängig auszahlen

Der Vorsitzende der Regierungskommission für gute Unternehmensführung, Gerhard Cromme, ist für eine stärkere Orientierung von Managerbezügen am langfristigen Geschäftserfolg. Sein Vorschlag: Variable Gehaltsteile sollen erst dann ausgezahlt werden, wenn der Unternehmenserfolg nachhaltig gesichert ist.

Gerhard Cromme
Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens und Thyssen-Krupp: Gerhard Cromme. -Foito: ddp

BerlinDie Aufsichtsräte sollten darüber nachdenken, ob es sich empfehle, zumindest Teile der erfolgsabhängigen Vergütungskomponenten nicht sofort auszuzahlen, sagte Cromme bei einer Konferenz der Kommission am Freitag in Berlin. Solche variablen Gehaltsteile könnten einige Zeit im Unternehmen belassen werden, bis sich die zugrunde liegenden Erfolge als nachhaltig erwiesen hätten. Generell sollten Kompetenz und Verantwortung der Aufsichtsräte weiter gestärkt werden.

Cromme warnte vor einer zu einseitigen Debatte über absolute Gehaltshöhen. Hohe Gehälter seien "kein Problem an sich", solange das Unternehmen profitabel geführt werde. "Hohe Gehälter werden dann ein Problem, wenn sie auch bei mangelnder Managementleistung, bei Misserfolg oder gar Scheitern bezahlt werden", sagte Cromme, der Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens und Thyssen-Krupp ist. Den Vorsitz der Regierungskommission gibt er nach sieben Jahren zum 1. Juli an Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller ab.

Mehr Frauen in die Aufsichtsräte

Mit dem Ziel angemessener Managerbezüge hat die Kommission in ihrem Kodex zur guten Unternehmensführung ("Corporate Governance") eine Empfehlung neu gefasst. Das Vergütungssystem für den Vorstand samt wesentlicher Vertragsbestandteile soll demnach vom gesamten Aufsichtsrat beschlossen werden. Bisher geschieht dies üblicherweise in einem Aufsichtsratsausschuss, das Gesamtgremium berät nur darüber. Die Empfehlungen in dem seit 2002 bestehenden Kodex sind rechtlich nicht bindend. Börsennotierte Firmen müssen aber jährlich öffentlich erklären, ob sie ihnen nachkommen oder nicht.

Cromme sprach sich zudem dafür aus, mehr Frauen als Aufsichtsräte zu gewinnen. Ihr Anteil auf der Anteilseignerseite bei den Konzernen im Deutschen Aktien-Index (DAX) liege nur bei drei Prozent. Sinnvoll sei auch eine stärkere Internationalität. Mit ihrem Wissen um Branchen, Märkte und Regionen könnten ausländische Mitglieder die Diskussion in Aufsichtsräten auf eine breitere Basis stellen.

Gesellschaftlichen Konsens stärken

Der künftige Kommissionsvorsitzende Müller rief dazu auf, einer schwindenden Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft entgegenzutreten. Zu den Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln zum Wohle aller gehöre ein gefestigter gesellschaftlicher Konsens über das Wirtschaftssystem und damit über das System der Unternehmensführung und -kontrolle. "Dazu gehört, dass wir Missstände klar adressieren und schwarze Schafe als solche darstellen." Pauschale Anschuldigungen seien aber nicht angebracht. Eine "sehr, sehr große Mehrheit" der Spitzenmanager stelle sich ihren Aufgaben mit großer Verantwortung. (iba/dpa)

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