Unternehmensfusion : Konkurrenz für Aldi

Die Discounterfusion von Netto und Plus rückt näher. Der Globalisierungsgegner Oxfam kritisiert die zunehmende Macht der Händler. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen.

Maren Peters
Edeka
Fusion von Netto und Plus: Die Edekagruppe könnte bald drittgrößten Discounter besitzen. -Foto: dpa

BerlinDie geplante Mega-Fusion auf dem deutschen Discountermarkt zwischen Netto und Plus ist ein Stück nähergerückt. Die Voraussetzung dafür hat die Plus-Mutter Tengelmann geschaffen: Mit dem Konkurrenten Rewe habe sich der Konzern über einen Verkauf von 306 Plus-Märkten geeinigt, berichtet die "Lebensmittel-Zeitung“ am Mittwoch. 50 Plus-Märkte sollen geschlossen werden.

Wenn das Bundeskartellamt der Einigung zustimmt, wäre der Weg frei für eine Fusion der Edeka-Tochter Netto mit den Plus-Märkten. Zusammen wären die beiden drittgrößter Discounter Deutschlands – hinter Aldi und Lidl. Das Bundeskartellamt hatte Edeka Anfang Juli grundsätzlich erlaubt, Plus von Tengelmann zu übernehmen – allerdings unter der Bedingung, dass 400 von gut 2900 Plus-Filialen an Wettbewerber verkauft werden.

400 Mitarbeiter könnten nach der Fusion arbeitslos werden

Eine Tengelmann-Sprecherin bestätigte gestern den Abschluss im Kern. "Wir haben eine Vereinbarung mit Rewe aber auch mit Norma und Netto Stavenhagen getroffen“, sagte sie dem Tagesspiegel. Das ist auch deshalb interessant, weil Edeka auch an Netto Stavenhagen mit 25 Prozent beteiligt ist. Das Bundeskartellamt müsse den Plänen noch zustimmen. Der Inhalt der Verträge sei vertraulich, sagte die Tengelmann-Sprecherin, die sich auch zum weiteren Zeitplan nicht äußern wollte.

Die Discounter-Fusion hat auch Folgen für die Region. Nach Angaben aus Betriebsratskreisen werden 60 Plus-Filialen in Brandenburg-Süd und Sachsen-Anhalt verkauft, zehn davon sollen geschlossen werden. Für die Betroffenen rund 400 Mitarbeiter werde derzeit über einen Sozialplan verhandelt. Die Berliner Plus-Filialen seien von den Plänen nicht betroffen, sie gingen komplett an Edeka/Netto.

Händler bauen Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten aus

Kritiker warnten unterdessen vor negativen Folgen der zunehmenden Konzentration im Handel: Je höher der Marktanteil der Supermarktketten, desto stärker könnten diese ihre Lieferanten unter Druck setzen, sagte Marita Wiggerthale von der Nichtregierungsorganisation Oxfam am Mittwoch.

Die sechs größten Ketten beherrschten inzwischen rund 90 Prozent des deutschen Marktes. "Die Supermärkte setzen ihre Einkaufsmacht massiv dazu ein, um die Lieferanten im Preis zu drücken.“ Ausgetragen werde der aggressive Preiskampf auch auf dem Rücken der Arbeiter, die die Güter produzierten. Nach Angaben von Gewerkschafter Gilberth Bermudez Umana aus Costa Rica, dem größten Ananas-Exporteur der Welt, ließen Lieferanten europäischer Supermärkte die Arbeiter auf den Plantagen bis zu 16 Stunden am Tag arbeiten. Oft werde nicht einmal der gesetzliche Mindestlohn gezahlt.

Es sei an der Zeit, meinte Wiggerthale, das Thema Einkaufsmacht auf die politische Agenda zu setzen. "Das Bundeskartellamt soll eine umfassende Sektoruntersuchung einleiten.“ Positive Ansätze gebe es bereits. So hatte das Kartellamt die ebenfalls angestrebte Einkaufsgemeinschaft von Edeka und Tengelmann untersagt. Die Behörde wollte damit nach eigenen Worten ein Zeichen gegen die fortschreitende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel setzen.

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