Unternehmenspleite : Versandhaus Quelle wird geschlossen

Der Verkauf von Quelle ist gescheitert. Da sich kein Investor für das defizitäre Unternehmen gefunden hat, ist nach 82 Jahren Schluss. Mehr als 7000 Jobs sind in Gefahr.

Für das traditionsreiche Versandhaus Quelle gibt es keine Rettung mehr. Der geplante Verkauf der Versandhandelsgruppe Primondo, zu der Quelle gehört, sei gescheitert, erklärte der Insolvenzverwalter des Mutterkonzerns Arcandor, Klaus Hubert Görg, am Montagabend.

Keiner der insgesamt vier Interessenten habe bis zum Montag ein Angebot abgegeben. "Nach intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr", teilte Görg mit. Am Dienstagnachmittag soll die Belegschaft in Fürth über das Aus informiert werden.

Verlust von etwa 7500 Arbeitsplätzen

Insgesamt kann die Schließung rund 7500 Mitarbeitern den Job kosten, die genaue Zahl werde noch ermittelt. Für 2500 der 10.500 Beschäftigten war bereits zuvor ein Sozialplan ausgehandelt worden, 600 Angestellte hatten nach Angaben Görgs freiwillig gekündigt. Rund 1500 Stellen fallen direkt bei Quelle weg, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. 

Die übrigen Teile von Primondo sollen nun in Einzelteilen verkauft werden. Dazu gehören das Auslandsgeschäft von Quelle in der Schweiz, Österreich und Osteuropa, mehrere Spezialversender (Peter Hahn, Baby Walz) und der Einkaufssender HSE24.

Görg machte die gescheiterten Verhandlungen über den Verkauf von Forderungen ratenzahlender Kunden für das Aus für Quelle mitverantwortlich. "Der Versand- oder Distanzhandel funktioniert ohne solide finanzierte Ratenzahlungssysteme nicht", sagte Görgs Quelle-Beauftragter Jörg Nerlich.

Der Insolvenzverwalter hatte das sogenannte Factoring – die Vorfinanzierung der Forderungen – durch die Quelle-Hausbank Valovis seit der Insolvenzanmeldung im Juni zweimal nur unter Mühen verlängern können. Die Vereinbarung läuft zum Jahresende aus, eine Verlängerung war gescheitert.

Investoren wollten keine Quelle-Shops

Zu den aussichtsreichsten Interessenten für Quelle war laut Kreisen der US-Finanzinvestor TPG gezählt worden, der viel Erfahrung im Einzelhandel mitbringt. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland bietet der Finanzinvestors Golden Gate nur für HSE24.

Der Investor Sun Capital, dem der Quelle-Konkurrent Neckermann.de gehört, habe sich bereits zuvor aus dem Verkaufsprozess zurückgezogen. Der Quelle-Erzrivale Otto hatte bereits zu Beginn abgewinkt.

Alle potenziellen Bieter hätten die Aufgabe der rund 1450 Quelle-Shops gefordert, die für das 1927 gegründete Unternehmen die Bestellungen sammelten und stets ein kleines Warensortiment vorrätig hatten, sagte Görg. Sie wollten auf das Internet setzen.
 

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters

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