Wirtschaft : Unternehmer Freymuth über den Bau:"Wir haben bald italienische Verhältnisse"

Herr Freymuth[wie geht es Ihrem Unternehmen?]

Kaspar-Dietrich Freymuth ist Präsident der Fachgemeinschaft Bau in Berlin und Brandenburg sowie Hauptgesellschafter der Kuthe-Gruppe mit rund 400 Mitarbeitern, davon 100 in Berlin. Mit Freymuth sprach Alfons Frese.

Herr Freymuth, wie geht es Ihrem Unternehmen?

Der Muttergesellschft geht es ganz gut, der Berliner Tochter nicht. In den letzten zwei Jahren mussten wir hier die Belegschaft um mehr als zwei Drittel reduzieren.

Ist endlich Land in Sicht?

Überhaupt nicht. Wir werden in diesem Jahr im Bauhauptgewerbe Berlin-Brandenburgs wieder mehr als zehn Prozent der Arbeitsplätze verlieren.

Was bringt in der Situation Lohnverzicht?

Die Mitarbeiter, die eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ausüben, können nur über drastische Lohnsenkungen versuchen, den Arbeitsplatz zu retten. Doch auch das bringt nicht viel, solange die Schwarzarbeit zunimmt. Die illegale Beschäftigung ist das eigentliche Problem.

Aber es gibt mehr Baustellenkontrollen.

Vielleicht bei größeren Projekten. Aber im kleinen Bereich blüht die Schwarzarbeit, dass es nur so raucht. In der hiesigen Bauwirtschaft sind mehr als 30 Prozent Schwarzarbeit. Wir bewegen uns in Richtung italienischer Verhältnisse. Und dabei sind alle Bevölkerungsschichten eingeschlossen: Der Staatsanwalt, der ermitteln soll, bedient sich Schwarzarbeiter, und der Journalist, der darüber berichten soll, auch. Insgesamt hat die illegale Beschäftigung einen Umfang erreicht, dass sie offensichtlich nicht mehr bekämpft werden kann.

Und die Billigkräfte?

Für 2,50 Mark die Stunde kriegen Sie am Zoo Weißrussen, Polen arbeiten für 6,50 bis acht Mark die Stunde. Wenn es bereits 2004 zur EU-Osterweiterung kommt, dann bleibt hier bei niedrig qualifizierten Tätigkeiten kein Stein auf dem anderen.

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