Wirtschaft : Unternehmer in eigener Sache Warum Arbeitnehmer in den USA so zuversichtlich sind

Sandra Louven

Wenn von der amerikanischen „Hire and Fire“-Mentalität die Rede ist, geraten deutsche Politiker in Wallung. Glaubt man etwa Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), fristen Arbeitnehmer in den USA ein elendes Dasein – ganz im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen: „Unser Land ist nicht durch Gesetze des Dschungels oder durch bedenkenloses ,Hire and Fire’, sondern durch selbstbewusste Arbeitnehmer stark geworden, deren Motivation eben nicht Angst ist“, so der Kanzler in seiner Rede am 14. März.

Die Realität sieht anders aus: Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup von Ende vergangenen Jahres belegt, dass 74 Prozent der deutschen Arbeitnehmer glauben, ihre Stelle sei sicher – im Gegensatz zu 81 Prozent der Amerikaner. Bei einem Arbeitsplatzverlust geht weniger als ein Drittel der US-Bürger davon aus, dass es lange dauern wird, bis es einen neuen Job gefunden hat – aber 57 Prozent der Deutschen. Ein wichtiger Grund: Amerikaner begreifen sich nicht als „abhängig Beschäftigte“, sondern als „Mikrounternehmer“ in eigener Sache. US-Bürger haben keinen Beruf, sondern einen Job. Und den tauschen sie gegen einen neuen ein, wenn es sein muss. So kommt es zum Beispiel, dass an der Spitze des Technologiekonzerns Hewlett-Packard eine gelernte Historikerin steht. Und die Amerikaner sind bereit, für ein neues Jobangebot von der West- zur Ostküste zu ziehen. Aber zum US-Dschungel gehört auch die vielfach glorifiziere Stehaufmännchen-Mentalität. Eine Pleite gilt dabei nicht gleich als Beinbruch: „Scheitern ist nur die Möglichkeit, noch einmal neu anzufangen – dieses Mal intelligenter“, hat schon Henry Ford seinen Landsleuten gesagt.

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