Wirtschaft : Unternehmer kritisieren Arbeitsämter

Umfrage: Ein Drittel des Mittelstands nutzt Behörden nicht bei Mitarbeitersuche / Hartz will Kontakt verbessern

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Berlin (ce). Mit der Neuorganisation der Bundesanstalt für Arbeit will die Hartz-Kommission den Kontakt zwischen den bundesweit 181 Arbeitsämtern und den Unternehmen verbessern. Dabei sollen mobile Außendienstmitarbeiter helfen. Außerdem soll die telefonische Erreichbarkeit durch Call Center verbessert und den Unternehmen der Zugang zu den EDV-Systemen der Bundesanstalt für Arbeit ermöglicht werden. Große Unternehmen sollen mindestens einen persönlichen Betreuer zugeteilt bekommen. Das sieht ein Rohentwurf für den Abschlussbericht der Hartz-Kommission vor, den Kommissionsleiter Peter Hartz am Freitag dem Bundeskanzler überreichen wird. Im Gegenzug erhofft sich die Kommission, dass „die Bereitschaft von Unternehmen, mit den Arbeitsämtern zusammenzuarbeiten und offene Stellen zu melden“, ebenfalls steigt.

Nicht alle Unternehmen nutzen derzeit den Service der Arbeitsämter. Eine Umfrage des Berliner Meinungsforschungsinstituts Forsa für das Magazin „Impulse“ bei mittelständischen Betrieben in den Monaten Juni und Juli ergab, dass knapp ein Drittel der Befragten noch nie Kontakt zum Arbeitsamt im Bezirk hatte, um offene Stellen zu melden oder nach Mitarbeitern und Auszubildenden zu suchen. Nur 16 Prozent der 18 000 Firmenchefs gaben an, sich aus diesem Grund häufig an die Arbeitsverwaltung zu wenden. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, hatte daher kürzlich an die Arbeitgeber appelliert, ihre offenen Stellen zu melden.

Doch die Unternehmen beschweren sich über die schlechte Qualität der Arbeitnehmer, die sie von den Arbeitsämtern vermittelt bekommen. Das belegt auch die Forsa-Umfrage. Sieben von zehn befragten Firmenchefs waren nur wenig oder überhaupt nicht mit der Auswahl der angebotenen Bewerber zufrieden. Im Westen war die Unzufriedenheit noch ausgeprägter als im Osten. In Bezirken mit besonders hoher Arbeitslosigkeit scheinen sich die Arbeitsämter offenbar etwas mehr Mühe zu geben. Denn dort, wo die Arbeitslosenquote bei mehr als 15 Prozent liegt, bemängeln nur 65 Prozent der Befragten die Bewerberauswahl, die das Arbeitsamt für sie trifft.

Ein Ansatzpunkt der Hartz-Kommission liegt deshalb bei der Qualifizierung. Über die so genannten Personal Service Agenturen (PSA) der Arbeitsämter sollen Arbeitslose künftig betriebsnah weitergebildet werden. Unternehmen sollen außerdem die Gelegenheit erhalten, über die Leiharbeitsagenturen Arbeitslose befristet zu testen, bevor sie jemanden fest einstellen. Bei der Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU stößt diese Idee allerdings auf Kritik. Das bedeute die „Verstaatlichung der Arbeitslosigkeit“, sagte der CDU-Abgeordnete Hans Michelbach am Dienstag.

Ein weiteres Defizit sehen die Arbeitgeber bei der Arbeitsvermittlung und Arbeitsförderung. Nur knapp die Hälfte der Befragten ist mit den Leistungen der Arbeitsämter zufrieden. „Bei der Vermittlung sind deutliche Verbesserungsmöglichkeiten denkbar“, urteilt Forsa-Chef Manfred Güllner. Das geht allerdings nicht, ohne dass mehr Mitarbeiter der Bundesanstalt für Arbeit in der Vermittlung tätig werden. Nur etwa 13 000 der rund 90 000 Personen arbeiten in der direkten Vermittlung. Ein Vermittler betreut bis zu 800 Arbeitslose. Das Ziel von Peter Hartz ist es, die Betreuungsintensität zu erhöhen. Künftig soll ein Vermittler sich nur noch um 60 bis maximal 200 Arbeitslose kümmern. Allerdings kommen auch neue Aufgaben auf die Mitarbeiter zu: In die Verantwortung der Nürnberger Behörde sollen künftig auch die rund 900 000 erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger wandern.

Mit dem allgemeinen Service des Arbeitsamtes, der Bearbeitungsdauer und der Kompetenz der Mitarbeiter sind die Mehrheit der Unternehmer zufrieden. Mehr als 60 Prozent der Manager äußerte sich dementsprechend. In der Bewertung schneiden die 181 Arbeitsämter jedoch unterschiedlich ab. Die besten Noten erhält das Arbeitsamt Plauen im sächsischen Vogtland, die schlechtesten Beurteilungen die Behörde in Stuttgart. Generell gilt: die Arbeitsämter im Osten schneiden besser ab als im Westen, die in den Regionen besser als in den Großstädten.

Um die Arbeitgeber in Zukunft zu einer kontinuierlicheren Personalpolitik zu bewegen, sollen sie bei einer positiven Arbeitsplatzbilanz einen Bonus aus der Arbeitslosenversicherung erhalten. Bei einer negativen Bilanz – also bei Entlassungen – soll es allerdings keine Bestrafungen geben. In „Krisensituationen“, so sieht es das Hartz-Konzept vor, sollen vielmehr die Arbeitsämter Unterstützung leisten.

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