Wirtschaft : Unternehmer meiden Berlin

Im vergangenen Jahr kamen nur 62 auswärtige Firmen an die Spree / Wirtschaftsförderung hofft auf 2005

Anselm Waldermann

Berlin - Bei der Ansiedlung von Unternehmen hat Berlin im vergangenen Jahr einen herben Rückschlag einstecken müssen. So sind die Investitionen auswärtiger Firmen mit insgesamt 88,4 Millionen Euro auf ein Rekordtief gesunken. Im Vorjahr waren es noch 110 Millionen Euro, im Jahr 2001 sogar 417 Millionen Euro. Auch entstanden bei Neuansiedlungen deutlich weniger Arbeitsplätze als bisher. So schufen die nach Berlin gekommenen Unternehmen im vergangenen Jahr nur 1550 neue Stellen. Die Wirtschaftsförderung Berlin (WFBI) hatte sich 3000 neue Arbeitsplätze vorgenommen. Als Grund für die Entwicklung nannte WFBI-Geschäftsführer Roland Engels die „allgemein schwache Investitionsneigung“.

Für das laufende Jahr ist Engels jedoch optimistischer: „2005 wird deutlich besser“, sagte er am Freitag vor Journalisten. Er rechne auch in diesem Jahr mit 3000 Arbeitsplätzen durch Neuansiedlungen. Allein bei drei geplanten Großprojekten könnten 1300 Arbeitsplätze geschaffen werden. „Das ist schon so gut wie sicher“, sagte Engels. Genauere Angaben wollte er zu den Projekten aber nicht machen.

Im vergangenen Jahr hatten sich insgesamt 62 Firmen in Berlin neu angesiedelt. Der Großteil der dabei entstandenen Arbeitsplätze entfiel auf Call Center (370), den Bereich Verkehrstechnik (256) und die Medienwirtschaft (246). Im Industriesektor hingegen entstanden lediglich 103 neue Arbeitsplätze.

Die meisten der nach Berlin gekommenen Unternehmen stammten laut WFBI aus anderen Regionen Deutschlands. „Wir arbeiten aber daran, die Zahl der internationalen Projekte zu erhöhen“, sagte Engels. Vor allem US-Firmen zeigten Interesse an Berlin; aber auch Unternehmen aus Mittel- und Osteuropa planten Niederlassungen an der Spree.

Insgesamt rechnet die WFBI in den kommenden fünf Jahren mit 100000 neuen Arbeitsplätzen in Berlin. 30000 bis 40000 davon würden allein durch den Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) entstehen, weitere 20000 werde die WFBI über Neuansiedlungen nach Berlin holen. Die restlichen Arbeitsplätze würden von den Unternehmen der Region selbst geschaffen.

Um Neuansiedlungen nach Berlin zu locken, setzt die WFBI vor allem auf zwei Instrumente: zum einen das „Business Welcome Package“, das es Unternehmern ermöglicht, den Standort für drei Monate in einem komplett eingerichteten Büro zu testen; zum anderen das „Business Recruiting Package“, über das sich Unternehmer die jeweils gewünschten Arbeitskräfte vermitteln lassen können.

Optimistisch gibt sich die WFBI auch beim Wirtschaftswachstum. Das Berliner Bruttoinlandsprodukt werde 2005 um ein bis zwei Prozent zulegen, schätzt Engels. Andere Experten haben allerdings deutlich schwächere Erwartungen: So rechnet die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) für 2005 nur mit einem Wachstum von 0,5 bis 1,0 Prozent. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) erwartet sogar, dass diese Prognose eher unterschritten werden dürfte. Im vergangenen Jahr war die Wirtschaft in Berlin mit einem Plus von 0,5 Prozent erstmals seit drei Jahren wieder leicht gewachsen.

Negative Nachrichten vermeldet unterdessen das Statistische Landesamt: So ist die Zahl der Beschäftigten im Berliner Handwerk im vergangenen Jahr um 8,2 Prozent zurückgegangen. Auch die Umsätze lagen um 4,8 Prozent niedriger.

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