Unternehmer zu Betriebsräten : "Ihr seid nicht ganz dicht"

Beim Dienstleister Piepenbrock geht es ums Geld. Mehr Geld für die Beschäftigten. Miteigentümer Olaf Piepenbrock hat eine eigene Art, Betriebsräte zu empfangen.

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Olaf Piepenbrock
Olaf PiepenbrockFoto: promo

Berlin - Olaf Piepenbrock hat ein besonderes Verständnis von Gastfreundschaft. Er lädt sich Mitarbeiter ein, „um sie dann zu beleidigen“. Jedenfalls haben die fünf Gäste aus Eisenhüttenstadt das Gespräch bei ihrem obersten Chef am vergangenen Mittwoch so empfunden. Piepenbrock, Miteigentümer eines Dienstleistungskonzerns mit gut 25 000 Beschäftigten hierzulande, hatte die Betriebsräte der Tochterfirma Piepenbrock Instandhaltung GmbH und Co. KG in Eisenhüttenstadt in die Konzernzentrale nach Osnabrück gebeten, um einen Tarifkonflikt zu erörtern. Dazu kam es nicht. Stattdessen gab es nach Angaben der Anwesenden Beschimpfungen und Drohungen. Die Kollegen aus Eisenhüttenstadt seien „faul und krank“, „nicht ganz dicht“ und könnten im Übrigen streiken bis sie „schwarz werden“, habe Piepenbrock getönt. Das behauptet die IG BAU, der 50 der 62 Mitarbeiter der Eisenhüttenstädter Firma angehören. Piepenbrock selbst möchte sich weder zu dem Gespräch noch zum Tarifkonflikt äußern und lässt mitteilen: „Zu den polemischen Äußerungen der IG Bauen- Agrar-Umwelt zum laufenden Arbeitskampf nimmt die Geschäftsführung der Piepenbrock Unternehmensgruppe nicht Stellung.“

Im laufenden Arbeitskampf geht es um Geld. Die 62 Beschäftigten der Firma in Eisenhüttenstadt, die Anfang der 1990er Jahre aus dem dortigen Stahlwerk ausgegründet wurde und nun zu Piepenbrock gehört, warten im Stahlwerk Kräne und Aufzüge und betreuen den Schienenverkehr. Bezahlt wird ein Firmentarif. Nach Angaben von Mathias Kalusniak von der IG BAU bekommt ein Facharbeiter bei Piepenbrock 9,91 Euro die Stunde. Würde nach Flächentarif gezahlt, wären es 14,26 Euro. Und einer der wichtigsten Piepenbrock-Wettbewerber, der Wisag-Produktionsservice, zahlt Kalusniak zufolge immerhin 12,60 Euro.

In die Richtung wollen die 62 Piepenbrock-Beschäftigten und ihre Gewerkschaft auch. Ursprünglich hatten sie einen Euro mehr gefordert, im Laufe der Zeit sich aber nach unten bewegt: In diesem Jahr soll es 50 Cent mehr geben und im kommenden Jahr noch mal 50 Cent. Piepenbrock lehnt das Kalusniak zufolge ab und begründe dies mit einem Rahmentarifvertrag, in dem Verbesserungen für besonders schwer belastete Arbeitnehmer sowie eine betriebliche Altersvorsorge vereinbart wurden. Wegen dieser Kosten – die bei rund vier Prozent liegen – will Piepenbrock den Stundenlohn nur um 20 Cent (oder zwei Prozent) erhöhen. Erst wenn IG BAU und Beschäftigte das akzeptieren, unterschreibt der Chef den Rahmentarif.

Seinen Gästen aus Eisenhüttenstadt schickte Olaf Piepenbrock noch einen Brief hinterher, in dem er auf Verluste der Firma hinwies und vor „griechischen Verhältnissen“ warnte. Die Streikenden sägten den Ast ab, auf dem sie säßen und liefen Gefahr, seine „Subventionsbereitschaft“ zu überschätzen. Alfons Frese

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