Unterschriften übermittelt : Karstadt ist gerettet

Der Karstadt-Poker ist auf den letzten Drücker entschieden worden. Die Highstreet-Gläubiger stimmten für Berggruen. Die benötigten Unterschriften liegen vor - das Gericht nimmt den Insolvenzplan an.

David C. Lerch
Sichtlich erleichtert: Nicolas Berggruen, der Investor für den insolventen Warenhauskonzern Karstadt.
Sichtlich erleichtert: Nicolas Berggruen, der Investor für den insolventen Warenhauskonzern Karstadt.Foto: dpa

Düsseldorf - Der Karstadt-Poker ist am Donnerstag auf den letzten Drücker entschieden worden. Bis um 24 Uhr mussten die Gläubiger von Highstreet, dem Konsortium der Vermieter, dem mit dem Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen erzielten Kompromiss über die künftigen Mieten zustimmen. Den ganzen Tag über verhandelten die verschiedenen Investoren in London, am Abend dann meldete Highstreet Vollzug. "Wir haben uns mit allen Gläubigern geeinigt", sagte Richard Speich, Sprecher von Highstreet, dem Tagesspiegel. Am Freitag teilte dann das Bundesarbeitsministerium mit, die Einigung auf die Übernahme des Karstadt-Konzerns sei "nunmehr durch alle nötigen Unterschriften bestätigt". Eigentlich hätten auch die Unterschriften schon bis Mitternacht vorliegen müssen.

Am Freitag-Nachmittag hat auch das Essener Amtsgericht den Karstadt-Insolvenzplan angenommen. Damit sei die Übernahme in letzter Instanz bestätigt, teilte das Gericht. Jetzt bestehe nur noch eine 14-tägige Beschwerdefrist, in der mögliche Verfahrensfehler beanstandet werden können. Am 1. Oktober soll dann Berggruen die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH mit 120 Filialen und rund 25.000 Beschäftigten erhalten.

Die Karstadt-Rettung stand bis zuletzt auf der Kippe: Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte bereits Szenarien entworfen, wie man den Konzern aufteilen könnte. Demnach wären die 35 Filialen von Karstadt Sport und die drei Premiumadressen, darunter das KaDeWe, bis Jahresende verkauft und alle weiteren Häuser bis Februar geräumt worden. Dazu wird es nun nicht kommen.

Die Zustimmung aus dem Lager der Vermieter von 86 der 120 Kaufhäuser geriet am Donnerstag zum Nervenspiel, auch weil Highstreet das entscheidende Treffen seiner Gläubiger auf den letztmöglichen Tag der vorgegeben Frist gelegt und damit den seit Monaten laufenden Poker um die Zukunft von Karstadt erneut zugespitzt hatte.

Pikant für die rund 25.000 Karstadt-Angestellten: Bevor Berggruen nun neues Geld in den insolventen Konzern stecken kann, musste jeder der Investoren zustimmen, die bei Highstreet involviert sind.

Am Donnerstagvormittag traf sich zunächst eine Gruppe von Highstreet-Gläubigern, die über direkte Anteile an 44 der Karstadt-Immobilien verfügen. In einer Anwaltskanzlei in London stimmten sie geschlossen für die mit Berggruen ausgehandelten Mietsenkungen. Das bestätigten Vertreter von Highstreet und der Insolvenzverwaltung am Mittag. Das war ein wichtiger Etappensieg, der allerdings zumindest in den vergangenen Tagen erwartet worden war. Verdi sprach von einer "guten Nachricht", der aber noch weitere folgen müssten. Das gestaltete sich deutlich schwieriger. Von 15 Uhr an verhandelte Highstreet teilweise vor Ort in London, teilweise am Telefon mit einer anderen Gruppe von Gläubigern, den so genannten Mezzanine-Kapitalgebern. Das sind Investoren, die Highstreet für den Kauf der Karstadt-Immobilien in den Jahren 2006 und 2008 Kredite gaben, dafür im Gegenzug aber keine Anteile an den Häusern bekamen, sondern höhere Zinsen.

Um wieviele dieser speziellen Gläubiger es ging, wurde nicht bekannt. bestätigt hat Highstreet allerdings, dass zahlreiche Hedgefonds beteiligt waren, die zum Teil von den bei Highstreet beteiligten Banken – Goldman Sachs und Deutsche Bank – aufgelegt wurden. Zunächst hieß es aus Verhandlungskreisen, ein Hedgefonds der Royal Bank of Scotland stelle sich quer. Das soll sich am frühen Abend geändert haben. "Die Zocker haben Hochkonjunktur", kommentierte der Sprecher von Insolvenzverwalter Görg am Nachmittag die Verhandlungen. Am Abend eilte Görg nach Berlin. Im Kellergeschoss der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm gab es noch eine kleine Feier.

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