Wirtschaft : Unwirksame Dieselfilter in 60 000 Autos

Kraftfahrtbundesamt entzieht drei Herstellern Betriebserlaubnis / Umwelthilfe greift Umweltminister an

Berlin - Der Skandal um den Einbau unwirksamer Billigfilter zur Nachrüstung von Dieselautos weitet sich aus. So hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) mindestens drei Herstellern die Betriebsgenehmigung für die Filter entzogen, wie am Donnerstag in Regierungskreisen bestätigt wurde. Zuständig für das KBA ist das Verkehrsministerium. Betroffen seien die Halter von etwa 40 000 Autos, in die die unzureichenden Filter bereits eingebaut wurden. Bei einem der drei Unternehmen – dem Gladbecker Rußfilter-Hersteller GAT – ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sprach von 60 000 betroffenen Autohaltern. Der Bundesregierung warf sie Vertuschung vor. Das Verwaltungsgericht Dessau werde an diesem Freitag über eine „Untätigkeitsklage“ der Umweltorganisation entscheiden. Das Umweltbundesamt halte „auf Weisung des Bundesumweltministeriums“ wichtige Informationen weiterhin unter Verschluss, sagte DUH- Hauptgeschäftsführer Jürgen Resch. „Wesentlicher Hintergrund für den Partikelfilterskandal sind schwerwiegende Mängel bei den Zulassungsbestimmungen für Partikelminderungssysteme.“ Der Einbau der Filter wird zur Verringerung der Feinstaubbelastung staatlich gefördert.

Betroffene Verbraucher, die ihr Auto mit einem unwirksamen Rußpartikelfilter nachgerüstet haben, sollten sich bald an ihre Werkstatt wenden. Laut ADAC kann dort ein Austausch mit einem Filter eines anderen Herstellers verlangt werden. Die Betriebserlaubnis für bereits eingebaute Geräte erlischt den Angaben zufolge jedoch nicht. Ein Ausbau des Filters empfiehlt sich nicht, weil ungefilterte Diesel in den vom 1. Januar kommenden Jahres an eingerichteten städtischen Umweltzonen nicht mehr fahren dürfen.

Der Filterhersteller Bosal will für seinen vom Markt genommenen Nachrüst-Rußpartikelfilter kurzfristig ein neues Modell anbieten. Borsal teilte am Donnerstag mit, man habe bereits vor Wochen entschieden, den Verkauf der Diesel-Oxikatfilter einzustellen. Die Werkstattkette Pit-Stop hat nach eigenen Angaben am Montag von der Rücknahme der Betriebsgenehmigungen erfahren. „Wir haben umgehend alle Filialen aufgefordert, Partikelfilter der Firmen GAT und Tenneco/Walker an die Hersteller zurückzuschicken“, sagte der Produktbeauftragte Matthias Böhm. mot/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar