Wirtschaft : Urheberrecht: Jost Vacano

Sind die Urheber schuld am Tod der Medienindustrie? Viele meiner alten Filme wie "DAS BOOT" oder "KATHARINA BLUM" werden ständig wiederholt, per Antenne, Kabel oder Satellit, Video oder DVD, bald auch online und im Pay-TV. Eine ganze Industrie ist zur Vermarktung unserer Filme entstanden, immer neue Nutzungen ergeben neue, ursprünglich gar nicht kalkulierte Gewinne. Ich als Kameramann hingegen, als einer derer, die diese Filme erdacht und gemacht haben, erhalte für diese Nutzungen und Gewinne nichts, auch wenn Milliarden für Fußballrechte durchaus vorhanden sind. Meine Rechte sind an meine Auftraggeber abgetreten, unentgeltlich und für immer. Unvermeidlich, wenn eine Front von Kirch, Bertelsmann, ARD und ZDF den Künstlern die Bedingungen diktieren. "Vertragsfreiheit" nennen sie das, Vertragsdiktat wäre besser. Das neue Urheberrecht, das jetzt als Gesetzesentwurf der Bundesregierung vorliegt und im Herbst verabschiedet werden soll, bemüht sich nun um einen Ausgleich zwischen den einzelnen Künstlern und Kreativen und der globalen Medienindustrie. Kernpunkt ist eine faire Beteiligung der Urheber an jeder Nutzung ihrer Werke. Buch- und Zeitungsverlage, die Film- und Fernsehbranche, alle beschwören jetzt lautstark und apokalyptisch den Tod des Medienstandortes Deutschland. Der wäre aber besonders dann in Gefahr, wenn es mangels einer gesunden Urheberschaft bald nichts mehr zu vermarkten gäbe.

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