Urkundenfälschung : Henkel und Daimler streiten um Formel-1-Sponsoring

Daimler ist mit seinem Einstieg beim Formel-1-Rennstall Brawn GP in einen Betrugsskandal geraten. Der Automobilhersteller will 90 Millionen Euro von Henkel und pocht auf einen Sponsorenvertrag - von dem der Henkel-Vorstand nichts wusste.

Sönke Iwersen

Düsseldorf - Nach Informationen des „Handelsblatts“ streitet Daimler mit dem Düsseldorfer Henkel-Konzern um einen Sponsoring-Vertrag über 90 Millionen Euro, den Henkel nicht erfüllen will. Die Begründung: Der Vertrag wurde von einem Mitarbeiter ohne Wissen des Vorstands geschlossen. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen Betrugs und Urkundenfälschung gegen Kai von B. (43), ehemaliger Leiter der Sponsoring-Aktivitäten.

Nach Informationen von mit den Ermittlungen vertrauten Personen wurde die Brawn GP am 24. Mai 2009 beim Rennen in Monaco von einer Sponsoring-Agentur angesprochen. Es gebe ein Unternehmen, das bereit wäre, 30 Millionen Euro pro Saison auszugeben. Eine solche Summe ist auch im Milliardenzirkus Formel 1 erheblich - die Gesamteinnahmen eines Teams mit Sponsoring liegen im Schnitt bei 50 Millionen Euro. Brawn biss an. Schnell war klar, dass es sich bei dem potenziellen Sponsor um Henkel handelte.

Kai von B. lud die Brawn-Führung am 15. Juni nach Düsseldorf in die Henkel-Zentrale ein. Was Brawn nicht wusste: Der Henkel-Manager betrieb zu diesem Zeitpunkt seit eineinhalb Jahren ein Geschäft mit Scheinrechnungen auf gestohlenem Henkel-Briefpapier. Er und zwei Komplizen verkauften angebliche Forderungen an Henkel im Wert von rund 45 Millionen Euro an Factoring-Firmen. Rund elf Millionen Euro dieser Gelder sind verschwunden. Am 31. Juli wurden die Parteien einig. Brawn schloss einen Dreijahresvertrag über 90 Millionen Euro, beginnend im März 2010. Für Henkel unterschrieb Kai von B. persönlich.

Im September 2009 wurden die Formel-1-Verschwörer nervös. In den Zeitungen waren Gerüchte zu lesen, dass die Daimler-Tochter Mercedes den Brawn- Rennstall kaufen würde. Von B. berichtete Brawn, dass dies bei Henkel angeblich Unmut auslöse. Der Deal sei gefährdet. Brawn informierte nach Angaben aus Unternehmenskreisen Daimler-Chef Dieter Zetsche. Dieser erkundigte sich unmittelbar danach bei Henkel-Chef Kasper Rorsted. Als dieser aber jedes Interesse an der Formel 1 bestritt, war der Betrug aufgedeckt. Kai von B. erstattete am 19. Oktober Selbstanzeige und kam seiner Entlassung bei Henkel zwei Tage später mit einer Kündigung zuvor.

Zwischen den beiden Dax-Konzernen knirscht es nun gewaltig. „Der Formel-1-Vertrag ist ungültig, weil er von jemandem unterschrieben ist, der hierzu nicht berechtigt war. Es existieren deshalb auch keine Ansprüche gegen Henkel“, heißt es aus Düsseldorf. In Stuttgart sieht man das anders. Nach Informationen des „Handelsblatts“ aus Unternehmenskreisen besteht Mercedes auf Erfüllung des Vertrags. Die Mercedes-Anwälte hatten Brawn GP vor dem Kauf durchleuchtet und den Henkel-Vertrag geprüft. Demnach sei Kai von B. als „Head Corporate Affairs and Sponsoring“ zeichnungsberechtigt gewesen. Zudem habe er den Vertrag auf dem Henkel-Werksgelände unterschrieben.

Daimler kommt der Streit ungelegen: In der Branche gilt als gewiss, dass Mercedes in der kommenden Formel-1-Saison mit Michael Schumacher starten will.  (HB)

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