Urlaub : Fernweh so nah

In Zeiten der Krise zögern die Deutschen bei Auslandsbuchungen. Alpenrand und Waterkant profitieren.

Maren Peters

Eine Woche Sonne tanken auf Mallorca? Oder doch lieber ab in die Türkei? Wen jetzt das Fernweh plagt, der wird umworben wie lange nicht. „Jetzt buchen und bis zu 200 Euro sparen!“, lockt Deutschlands größter Reiseveranstalter Tui. „Frühbuchervorteil verlängert – Sparen Sie bis zu 35 Prozent“, wirbt Neckermann. Auch bei der Konzernmutter Thomas Cook sollten die Frühbucherrabatte eigentlich schon am 15. Februar auslaufen, doch das reichte nicht, um die Ferienreisen loszuwerden. Anfang März wirbt der Reiseverkäufer noch immer mit bis zu 40 Prozent Rabatt.

Es sind schwierige Zeiten für die Tourismusbranche. Das liegt nicht nur daran, dass die Anbieter die Preise in diesem Jahr um bis zu sechs Prozent verteuert haben. Verunsichert durch die weltweite Wirtschaftskrise und aus Sorge um den Job sind die Deutschen bei der Auswahl des Sommerurlaubs so zurückhaltend wie seit den Terroranschlägen vom September 2001 nicht mehr. „Die Deutschen warten derzeit noch ab“, sagt Roland Gaßner, Tourismusexperte der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und Autor des GfK-TravelScoops. Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise seien bei weiten Teilen der Bevölkerung zwar noch nicht angekommen, aber die Verunsicherung sei beim Verbraucher deutlich zu spüren. „2009 könnte ein Jahr der Spätbucher werden“, prognostiziert die Dresdner Bank in einer Reisestudie.

Nicht nur die Urlauber, auch die Reisebranche stellt sich auf schlechtere Zeiten ein: Zu Jahresbeginn waren die Buchungszahlen der großen Veranstalter zweistellig eingebrochen. Die Unternehmen haben reagiert und die Kontingente in den Ferienregionen kräftig heruntergefahren, um ihre Auslastung zu sichern und ihre Marge zu retten. Allein bei Tui sei das Angebot gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent geschrumpft, sagt Sprecher Mario Köpers. Seit Ende Januar zögen die Buchungen aber wieder an.

Der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB), die am Mittwoch beginnt, ist die Wirtschaftskrise äußerlich nicht anzumerken: Wie im Vorjahr, als der Branchenumsatz noch um fünf Prozent gewachsen war, sind die Hallen unterm Funkturm auch 2009 ausgebucht. Nach Einschätzung der Branche kann keine Rede davon sein, dass die Deutschen die Lust am Reisen gänzlich verloren hätten – im Gegenteil. „Die Deutschen sitzen auf gepackten Koffern“, meint Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV).

Umfragen bestätigen das. So planen laut ADAC-Reisemonitor 64,5 Prozent der Deutschen (und damit nur drei Prozent weniger als 2008) in diesem Jahr zumindest eine Urlaubsreise. Viele denken aber daran, den Zweit- oder Dritturlaub in diesem Jahr ausfallen zu lassen. Für die Umfrage hatte der Automobilclub 4000 Mitglieder befragt. Das Bild sei „differenziert“, heißt es beim Reiseverband DRV. Manche Mittelmeerländer wie die Türkei verkauften sich gut, manche Fernreiseziele wie die USA auch, die noch vom günstigen Dollarkurs profitieren. „Und auch Deutschland läuft gut.“

Schon jetzt ist die Region zwischen Alpen und Ostsee hinter Spanien das zweitbeliebteste Urlaubsziel der Deutschen. „Relativ betrachtet, hat sich gezeigt, dass Deutschland als Reiseziel von schlechteren Zeiten profitieren kann“, sagt GfK-Experte Gaßner. Für den Sommer 2009 erwartet er für die heimischen Urlaubsregionen ein Plus von 3,7 Prozent bei der Zahl der Reisen. Da die Urlauber ihr Geld aber vermutlich mehr zusammenhielten als bisher, werde der Umsatz trotzdem auf dem Niveau des Vorjahres verharren, prognostiziert er. Allerdings könne diese Entwicklung die Tourismusbranche auf Dauer nicht wirklich erfreuen, meint Gaßner. Mit jeder Reise, die nicht nach Haiti, sondern in den Harz unternommen wird, verliere die Reiseindustrie insgesamt an Marktbedeutung. Grund ist, dass die Veranstalter mit Auslandsreisen mehr Geld verdienen als mit Angeboten im Bayerischen Wald, die Margen sind höher.

Währenddessen dürfen sich die Marketingmanager vieler deutschen Ferienregionen freuen. „Wir hoffen, aus dem schwierigen Jahr mit einem Plus herauszukommen“, sagt Tobias Woitendorf, Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Schon 2008 hatte das Land den stärksten Touristenzuwachs aller Bundesländer verbucht. In diesem Jahr, hofft Woitendorf, könnte sogar erstmals die 28-Millionen-Marke bei den Übernachtungen geknackt werden.

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