Urlaub in der Türkei : Kaum Stornierungen für Türkei-Reisen

Trotz der Kämpfe an der türkisch-syrischen Grenze bleibt die Türkei ein beliebtes Urlaubsziel in den Herbstferien.

Angie Pohlers
Urlauber an der Ägäischen Küste.
Urlauber an der Ägäischen Küste.Foto: Reuters

Die deutschen Urlauber lassen sich von der bedrohlichen Lage an der türkisch-syrischen Grenze offenbar nicht beunruhigen: Kurz vor den Herbstferien haben die Reiseanbieter kaum Umbuchungs- oder Stornierungsanfragen für Türkeireisen bekommen. „In den Urlaubsgebieten ist es nach wie vor ruhig, und es gibt keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes“, sagte die Sprecherin des größten deutschen Reiseunternehmens Tui, Kathrin Spichala. Hinzu kommt: „Die nächstgelegene Urlaubsregion um Alanya ist 500 Kilometer von der Grenze entfernt.“ Sollten Kunden dennoch Bedenken haben und lieber in ein anderes Land reisen wollen, müssten sie für die Umbuchung zahlen. Aktuell liegen die Buchungszahlen bei der Tui für die wichtigsten Urlaubsgegenden an der türkischen Ägäis, der Riviera und Istanbul aber sogar über denen des Vorjahres. Die Türkei belegt im Buchungsranking des Marktführers den zweiten Platz hinter dem Urlaubsklassiker Mallorca.

Bei Tui gehört die Türkei zu den meistgebuchten Reisezielen

Auch beim Tui-Konkurrenten Thomas Cook, zu dem unter anderem der Türkei-Spezialist Öger Tours gehört, sind türkische Ziele unter den meistgebuchten Destinationen. Bisher hätten sich die Kämpfe nicht auf die Buchungszahlen ausgewirkt, sagt Sprecherin Isabella Partasides. Besorgte Nachfragen von Kunden gebe es nicht. „Wir haben aber die Situation im Blick und stehen im Kontakt mit den Mitarbeitern vor Ort.“ Städtereisen oder Tagesausflüge nach Istanbul, wo es in der vergangenen Woche wegen Protesten gegen den „Islamischen Staat“ (IS) blutige Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Polizisten gab, würden ohnehin selten gebucht. „Die meisten Urlauber verbringen ihre Zeit am Strand“, sagt Partasides.

Reisende lassen sich nicht vom IS-Terror beeindrucken

Auch bei den anderen Reiseanbietern scheint sich die Bedrohung durch den IS bisher kaum bemerkbar zu machen. Den Reiseverband wundert das nicht. „Auch die Proteste auf dem Taksim-Platz im vergangenen Jahr haben sich weder auf die Rivierareisen noch auf die Städtetrips ausgewirkt. Die Kunden bleiben erfahrungsgemäß ruhig“, sagte die Sprecherin des Deutschen Reiseverbands, Sibylle Zeuch. So sei es auch gewesen, als vor drei Jahren in Athen griechische Demonstranten wegen der EU-Sparauflagen Stimmung gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Deutschland machten. „Vor allem auf den Inseln hatten die deutschen Urlauber offenbar keine Angst, unerwünscht zu sein.“ Nach einer kurzen Flaute hätten sich die Buchungszahlen schnell wieder normalisiert.

Ägypten ist bei Touristen wieder beliebt

Das gilt auch für Ägypten. Nach der Januarrevolution im Jahr 2011 hat sich die Lage im Tourismus wieder stabilisiert. Daran haben offensichtlich auch der Putsch im vergangenen Jahr und die immer noch bestehenden regionalen Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes nichts geändert. „Im ersten Halbjahr sind schon rund 500.000 deutsche Touristen nach Ägypten gereist, zum Jahresende könnte also sogar die Millionengrenze geknackt werden“, sagte Zeuch vom Deutschen Reiseverband.

Gerade im Winter, wenn es an der europäischen Mittelmeerküste nicht mehr warm genug sei, stelle das Land ein wichtiges Reiseziel dar. Die Reiseanbieter verzeichnen sogar erhebliche Zuwächse bei den Ägypten-Buchungen. Beim Online-Portal weg.de liegt Ägypten derzeit auf dem dritten Platz der Top-Reiseziele. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Buchungszahlen um 54 Prozent gestiegen.

Gefragte Region: Hurghada am Roten Meer

Auch bei Thomas Cook ist Ägypten unter den zehn beliebtesten Reisezielen der Nah- und Mittelstrecken. Während die Zahlen noch bis zum Juli rückläufig waren, nehmen die Buchungen seitdem besonders im Last-Minute-Bereich zu. Für die Wintersaison sei die Nachfrage gut, hieß es. Auch bei Tui-Kunden hat Ägypten ordentlich zugelegt. Vor allem die Region um Hurghada sei gefragt. Rund 90 Prozent der gebuchten Reisen gingen in die Region an der Westküste des Roten Meeres, heißt es bei Tui.

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