Wirtschaft : Urlaubsreise per Mausklick (Kommentar)

Martina Ohm

Es ist schon erstaunlich. Das Internet revolutioniert die Geschäftswelt. Banken und Einzelhandel setzen auf den elektronischen Handel - eine Vertriebsart, die den Unternehmen eine kalkulierbare Zukunft und den Verbrauchern komfortablen Einkauf sichert. Ausgerechnet die Reisebranche, die Branche, die sich am besten Online vermarkten ließe, hinkt der Entwicklung hinterher. Aus gutem Grund steht die diesjährige Internationale Tourismus-Börse ganz im Zeichen des E-Commerce. Zwar wurde auch in der Vergangenheit schon viel darüber geredet. Doch mit der Umsetzung haperte es - vor allem bei den Reise-Veranstaltern. Viele müssen sich langsam sputen, wenn sie ihr Geschäft nicht an die junge Startup-Generation verlieren wollen. Denn diese neuen Unternehmer haben die Zeichen der Zeit längst erkannt und mischen nun im Netz-Reisegeschäft erfolgreich mit. Dabei zeigt die Vielzahl branchenfremder Newcomer am Markt, dass man vom Inhalt nicht besonders viel verstehen muss. Dass sich die Branche im Großen und Ganz schwer tut, hat verschiedene Gründe. Zu lange war man vom Erfolg verwöhnt. Am Reisen, das zeigt die Erfahrung, wird meist zu aller Letzt gespart. Die Notwendigkeit zur Umstrukturierung wurde nicht überall rechtzeitig erkannt. Vor allem aber fehlte den großen Reiseunternehmen der Mut und die Entschlossenheit, einen radikalen Wandel zu initiieren, der am Ende unausweichlich bleibt. In erster Linie wurde auf die vielen Reisebüros Rücksicht genommen, die in großer Zahl nicht selbstständig sind, sondern zu den großen Ketten und Veranstaltern gehören. Dabei ist bekannt: In Deutschland gibt es zu viele Reisebüros. Nur wer mit fachkundiger Beratung und Spezialangeboten aufwarten kann, hat Überlebenschancen. Standardreisen kaufen die Kunden im Netz. Wer guten Service will, muss dafür auch gut bezahlen.

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