Wirtschaft : Urlaubsziel: Locker werden

Camper müssen auf Komfort nicht mehr verzichten – Outdoor-Ausstatter und Platzbetreiber rüsten auf

Alexander Visser

Im Outdoor-Laden treffen Welten aufeinander: Da sind die Trekker, die sich mit ihren atmungsaktiven, superleichten High-Tech-Ausstattung am liebsten in abgelegene Bergregionen zurückziehen, um Einsamkeit und Naturnähe zu suchen. Gleichzeitig suchen Familien, die den Urlaub in der Geselligkeit eines Campingplatzes verbringen wollen, nach Zelten oder Campingkocher. Ob Profi und Camping-Amateur: Outdoor-Ausstatter melden steigende Umsätze. Dagegen sind Wohnanhänger oder Reisemobile immer weniger gefragt.

„An den Zulassungen der letzten Jahre sehen wir, dass der Markt insgesamt stagniert“, sagt Herbert Konnerth, der sich beim ADAC mit Wohnmobilen und -Anhängern (Caravans) befasst. In Deutschland sind rund 440000 Wohnmobile und 800000 Caravans zugelassen – inklusive Dauercamper. Insgesamt sind nach Schätzungen des Verbandes rund 1,8 Millionen der 14,7 Millionen ADAC-Mitglieder Camper. Sie fahren am liebsten nach Italien, Spanien, Frankreich, und an die Ostsee. Im Trend liegt nach Angaben des Autoclubs die kroatische Küstenregion Istrien.

Wer einen besonders günstigen Camping-Urlaub verbringen will, bleibt auf einem der rund 2000 deutschen Campingplätze, denn die Bundesrepublik ist derzeit das günstigste Camping-Land in Mitteleuropa, hat der ADAC errechnet. Mutter, Vater, Kind zahlen inklusive Stellplatz und anfallender Gebühren im Durchschnitt 21 Euro pro Nacht. Ähnlich sind die Preise in Österreich und Schweden. Im Schnitt zahlen Camper auf Europas 30000 Plätzen 26 Euro die Nacht. Am teuersten sind italienische Campingplätze, 33 Euro zahlt die Standardfamilie dort.

Camping-Urlaub ist längst kein Billig-Urlaub mehr. Eine vierköpfige Familie, die nicht jeden Urlaub im eigenen Caravan oder Wohnmobil verbringen will, macht in der Ferienpension günstiger Urlaub. „Viele Campingplatz-Betreiber haben in den vergangenen Jahren große Summen investiert, um ihre Plätze aufzuwerten“, sagt Viktoria Groß vom Deutschen Camping-Club. Das sich selbst desinfizierende High-Tech-WC verdrängt das Plumsklo, Zelte und Wohnwagen gruppieren sich um Erlebnisbäder und Sauna-Landschaften. Die Rezeption des Campingplatzes wird zum Service-Center für Animationsprogramme und Ausflüge. „Besonders Eltern schätzen das verstärkte Freizeitangebot, weil die Kinder dann beschäftigt sind“, sagt Groß. Viele Plätze bieten Zelte, Caravans oder Bungalows auch zum Mieten an. Speisen kann man im Restaurant.

Individualisten haben es schwer

Wenn Camping nicht besonders billig ist, was macht den Reiz des Lager-Urlaubs aus? Die ADAC-Broschüre „Camping heute“ betont die Ungezwungenheit: „Die meisten Menschen, die man hier findet, müssen im Alltag korrekt sein, müssen sich angepasst verhalten, folgen den strengen Normen unserer Industriegesellschaft. So haben sie im Urlaub den Wunsch nach Freiheit und zwangloser Form. Beides suchen sie auf dem Campingplatz.“ Individualisten dagegen, warnt die Broschüre, seien beim Campen Grenzen gesetzt: „Gerade die attraktiven Campingplätze sind während der Hauptreisezeit voll; voller als jedes Hotel. Die sanitären Anlagen werden während dieser Monate oft von weit mehr Personen benutzt, als es der Architekt bei der Planung im Sinn hatte. Auch sonst herrscht drangvolle Enge.“

Diese Aussicht lockt nicht jeden. Wer die Ferien naturnah und fern der Zivilisation verbringen will, begibt sich mit High-Tech-Ausrüstung auf abgelegene Trecking-Pfade. Mit Läden in fünf Städten und einem expandierenden Internet-Versand sieht sich der Hamburger Outdoor-Ausstatter Globetrotter als Marktführer. Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz um 23 Prozent auf 89 Millionen Euro, und Globetrotter wurde vom deutschen Handelskongress als Vorzeige-Händler ausgezeichnet.

Schutz vor Sturm und Frost

„Besonders gut verkauft sich Kleidung mit ,intelligenten’ Fasern, wind- und wasserabweisend und dabei atmungsaktiv“, sagt Klaus Denart, 1979 einer der Mitbegründer und noch heute einer der Geschäftsführer von Globetrotter. Bevor er Unternehmer wurde, hatte er selbst als „Abenteurer“ Schlagzeilen gemacht, etwa, als er in einem umgebauten Sarg auf dem blauen Nil reiste. Neben Kleidung gehören Zelte, Schlaf- und Rucksäcke zum Kerngeschäft. Wer sich in die Berliner Niederlassung in Steglitz begibt, kann seine Produkte sogar unter Extrembedingungen testen: Für Kanus gibt es ein Testbecken, der Schlafsack kann in der Kältekammer auf Polartauglichkeit erprobt werden.

Bannat, der älteste Berliner Outdoor-Shop, verkauft seit 25 Jahren Abenteurer-Ausrüstung. Die Fachverkäufer wissen, was Extrem-Trecker suchen: „Alles Material muss besonders leicht und auf minimale Größe verstaubar sein.“ Für ein Zelt, das neun bis zehn Windstärken in der Eiswüste Alaskas aushält, investieren hartgesottene Abenteurer rund 1000 Euro. Doch der Markt hat auch für Camper das richtige, die es bequemer lieben, etwa komfortable Schlafluftmatratzen. Für rund 80 Euro blasen die sich sogar selbst auf.

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