Ursachenforschung : Warum Konzerne im Boom Stellen abbauen

Das Wirtschaftswachstum hält im dritten Jahr an, führende Forschungsinstitute erwarten ein Plus von knapp zwei Prozent. Dennoch kündigen eine Reihe großer Unternehmen Entlassungen an. Sie begründen die Einschnitte gerne mit steigenden Rohstoffpreisen oder einer veränderten Nachfrage. Doch der Jobabbau lässt sich auch anders erklären - drei Beispiele.

Simon Frost

BMW:


Dass der bayerische Autohersteller mit weniger Mitarbeitern plant, ist schon seit dem Jahreswechsel bekannt. Die konkrete Zahl von 8100 betroffenen Jobs ist hingegen neu. Sorgen bereiten dem Autohersteller unter anderem teure Rohstoffe und hohe Entwicklungskosten. Zusätzlich spielt der starke Euro im Verhältnis zum Dollar eine Rolle: Er macht die Fahrzeuge für den US-Markt teuer und bremst den Absatz.

Hinter dem Stellenabbau steckt aber auch das Streben nach höherer Rendite, um den Aktionären zu gefallen. Verkürzt lautet die Rechnung: Je höher die Rendite, desto höher der Gewinn, desto höher die Dividende der Anleger. Augenblicklich steigt der Umsatz stärker als der Gewinn - das schmälert die Umsatzrendite: Bislang verdient BMW mit 100 Euro Umsatz knapp sechs Euro. Beim Konkurrenten Mercedes sind es fast neun Euro. Für BMW ist deshalb klar: Das Unternehmen muss effizienter werden und das geht am schnellsten mit weniger Arbeitskräften.

Bis 2012 soll der Gewinn an jedem umgesetzten Euro auf acht bis zehn Prozent steigen. Zu den sechs Milliarden Euro, die BMW in den kommenden Jahren einsparen will, sollen die Mitarbeiter zwei Milliarden Euro beitragen - indem sie aus dem Unternehmen ausscheiden.

Henkel:
Ein ähnliches Ziel wie BMW verfolgt Henkel, wenn auch in einer ganz anderen Branche. Der Hersteller von Waschmittel, Kosmetik und Klebstoff begründet den geplanten Abbau von 3000 Stellen ebenfalls mit hohen Rohstoffpreisen. Bei Henkel sei etwa die Hälfte der Rohstoffmenge vom Ölpreis abhängig - und der bewegt sich in jüngster Vergangenheit immer um 100 Dollar für ein Barrel (139 Liter).

Vor allem geht es Henkel aber wohl um mehr Profit und glückliche Aktionäre: Die Umsatzrendite liegt derzeit bei gut zehn Prozent. Mithilfe der eingesparten Arbeitsplätze soll sie auf zwölf Prozent steigen.

Siemens:
Bei Siemens liegt der Fall ein bisschen anders. Der Technologiekonzern schreibt zwar ebenfalls schwarze Zahlen und will trotzdem 3800 Stellen abbauen. Hintergrund ist allerdings nicht nur die Steigerung der Rendite, sondern vielmehr der Versuch, Managementfehler vergangener Jahre auszubügeln.

Bei der Telekommunikationssparte SEN werden vor allem Telefonanlagen für Firmen gebaut. Vieles, was früher über große Telefonschaltschränke lief, geht heute allerdings mit wenig Aufwand übers Internet. Diesen Trend hat das Management der Sparte offenbar verschlafen: Finanzvorstand Joe Kaeser räumt ein, man sei in den vergangenen Jahren bei neuen Entwicklungen hinter Wettbewerbern hergehinkt.

Das Unternehmen will den verlustreichen Unternehmensbereich sanieren und anschließend verkaufen. Damit sich ein Käufer findet, muss die Sparte zuvor ein bisschen hübsch gemacht werden. Deshalb fallen von den 17.500 Arbeitsplätzen 3800 weg, weitere 3000 werden abgespalten.

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