Urteil : Bio-Pionier wegen Untreue verurteilt

Richter Peter Noll verurteilte Johann Priemeier, Biomüller und Mitbegründer der Münchner Bio-Supermarktkette Basic, weil dieser seinen Kompagnon Georg Schweisfurth im Jahr 2006 um 320.000 Euro geprellt hat.

Thomas Magenheim

München - Das Urteil lautet zwei Jahre auf Bewährung. Doch was am Donnerstag vor dem Münchner Landgericht verhandelt wurde, war kein ganz normaler Untreueprozess. „Es ist der Endpunkt eines Glaubenskrieges zwischen zwei Wegen in der Biobranche“, sagte Verteidiger Werner Leitner bei seinem Plädoyer. Verhandelt wurde gegen Johann Priemeier, Biomüller und Mitbegründer der Münchner Bio-Supermarktkette Basic. Auch in Berlin gibt es zwei Filialen. Richter Peter Noll verurteilte Priemeier, weil dieser seinen Kompagnon Georg Schweisfurth im Jahr 2006 um 320 000 Euro geprellt hat.

Doch Priemeiers Verrat reichte in den Augen seiner Mitgesellschafter weiter: Hinter ihrem Rücken hatte er vor vier Jahren den Einstieg der Schwarz-Gruppe eingefädelt. Zu Schwarz gehört der Discounter Lidl. Schwarz sollte Basics ehrgeizige Wachstumspläne finanzieren. Doch viele Lieferanten und Kunden akzeptierten den Einstieg des verpönten Discounters bei der nach Alnatura zweitgrößten Biomarkt-Kette nicht und wandten sich von Basic ab. Während andere in der Branche zweistellige Wachstumsraten verzeichneten, musste Basic Stellen streichen und Expansionspläne beerdigen. 2007 verkaufte die Schwarz-Gruppe ihre Anteile wieder.

Einen zweiten Klagepunkt ließ der Richter fallen. Es sei unmöglich, zu beziffern, welcher Schaden dem Unternehmen entstanden sei, sagte Noll. Hier bleibe „ein Geschmäckle“.

Relativ milde sei das Urteil ausgefallen, weil Priemeier gestanden habe und noch eine Schadenersatzklage laufe. Der Verurteilte hat zugestimmt, Schweisfurths Geld zurückzuzahlen. Priemeiers Basic-Aktien, immerhin rund ein Fünftel der Anteile, hätten viel an Wert eingebüßt. Auch hat der Biomüller Priemeier Basic als Großkunden verloren, womit er ohnehin einer der Hauptgeschädigten seines eigenen Handelns sei, sagte Noll.

Die Idee, die Schwarz-Gruppe reinzuholen, sei richtig gewesen, bekräftigt Priemeier noch heute. Um Biolebensmittel in Deutschland auf einen möglichen Marktanteil von 20 bis 30 Prozent zu bringen, brauche es Bündnisse mit dem konventionellen Handel. „Die Schwarz-Manager waren fairer als mancher, den ich in 35 Berufsjahren in der Biobranche kennengelernt habe“, sagte Priemeier am Rande des Prozesses.

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