Urteil : Haftstrafe für WM-Maskottchen-Produzent

Der Nici-Firmengründer, der auch das WM-Maskottchen "Goleo" produziert hat, ist zu sechseinhalb Jahre Haft wegen Betrugs in zehn Fällen verurteilt worden.

Christoph Gahlau[dpa]
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Das Maskottchen der Fußball-WM 2006 - hergestellt von Nici. -Foto: dpa

Hof/SaaleNur für einen kurzen Augenblick verliert Nici-Firmengründer Ottmar Pfaff die Fassung in diesem Prozess. Der 58-Jährige holt tief Luft, als der Vorsitzende Richter Wolfgang Schiener am Landgericht Hof das Urteil verkündet: Sechseinhalb Jahre Haft wegen Betrugs in zehn Fällen. Trotzdem ist es ein Urteil, mit dem beide Seiten leben können. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung verzichten auf Rechtsmittel. Das bedeutet, das Urteil ist rechtskräftig.

Rechtsanwalt Wolfgang Dingfelder stellte in seinem Plädoyer Ottmar Pfaff als den Unternehmer dar, der mit seinen Straftaten das Unternehmen retten und so die Arbeitsplätze sichern wollte. Dass das Geld in die eigene Tasche des Nici-Chefs wanderte, stritt die Verteidigung ab.

Richter Schiener hielt dies für wenig glaubwürdig: Als Vorstandsvorsitzender der nicht börsennotierten Nici AG habe er schließlich vom Gewinn des Plüschtierherstellers profitiert. Seit 2003 seien nur noch Verluste erwirtschaftet worden. Trotzdem kassierte Pfaff jährlich 1,5 Millionen Euro an Tantiemen zu seinem Jahresgehalt von 300.000 Euro. "Das Geld wurde dazu verwendet, das eigene Vermögen zu vermehren", sagte Schiener.

Es war ein Schneeball-System, das der 58-Jährige entwickelt hatte, stellte Schiener in seiner Urteilsbegründung fest. Pfaff ließ Scheinrechnungen schreiben und holte sich das Geld dieser Forderungen von Banken oder Spezialfirmen, indem er die entsprechenden finanziellen Forderungen an diese verkaufte. Bei Fälligkeit wurden diese Rechnungen mit neuen Scheinrechnungen beglichen. "Die Nici AG konnte über Jahre hinweg nur mit hoch kriminellen Straftaten am Leben erhalten werden", sagte Schiener.

Kooperationsbereitschaft strafmildernd für Pfaff

Doch die Wirtschaftsstrafkammer hielt dem Nici-Firmengründer auch seine Kooperationsbereitschaft zugute. Pfaff legte ein umfassendes Geständnis ab. Auch dank des Angeklagten habe ein so komplexer Prozess in zwei Tagen abgearbeitet werden können. Dies habe auch bei der Höhe der Strafe eine erhebliche Rolle gespielt, betonte das Gericht.

Ursprünglich wurden Pfaff auch Bilanzmanipulationen und ein Fall von Untreue vorgeworfen. Beide Anklagepunkte wurden aber während des Verfahrens eingestellt. So soll der 58-Jährige in den Jahren 2003 bis 2005 insgesamt Umsätze von 260 Millionen statt von 200 Millionen Euro ausgewiesen haben. Außerdem habe er einen Kredit von 1,5 Millionen Euro vergeben, dessen Rückzahlung fraglich gewesen sei, hieß es in der Anklage.

Am 4. Mai 2006 offenbart sich schließlich der Nici-Vorstandsvorsitzende dem Aufsichtsrat und seinen Vorstandskollegen, kurz darauf meldet die Nici AG Insolvenz an. "Während sich Deutschland im Mai 2006 auf die Fußball-Weltmeisterschaft freute, sind es für Ottmar Pfaff die bisher schwersten Tage in seinem Leben", führt Anwalt Wolfgang Dingfelder aus. Inzwischen hat den Plüschtierhersteller, der auch das WM-Maskottchen "Goleo" produzierte, ein amerikanischer Investor übernommen.

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