Wirtschaft : Urteil schockt Fußballverband

Bundesgerichtshof dreht vielen Vereinen den Geldhahn zu / DFB und Klubs gefordert DÜSSELDORF (mah/dpa/sid).Tief saß der Schock bei DFB-Präsident Egidius Braun: Nach dem Bosman-Urteil über den ablösefreien Transfer von Spielern innerhalb Europas, der die Fußballmanager empfindlich am Geldbeutel traf, drehte der Bundesgerichtshof vielen deutschen Vereinen jetzt einen weiteren Geldhahn zu: Da der Deutsche Fußball-Bund künftig nicht mehr zentral Europapokalspiele vermarkten darf, dürfen nun einige wenige, die sich für den UEFA-Cup und den Pokal der Pokalsieger qualifiziert haben, die TV-Gelder für ihre Spiele ganz für sich beanspruchen.Auf 360 Mill.DM belief sich der Gesamtwert des Deals zwischen DFB und den Vermarktern UFA/ISPR.Ende dieser Saison läuft der Vertrag aus.Beim DFB und den Vereinen besteht nun akuter Handlungsbedarf. Bislang wurde dieses Geld nicht nur an die teilnehmenden Vereine ausgeschüttet, sondern zu 40 Prozent auf die übrigen Erst- und Zweitligisten verteilt.Dadurch sollte die Kluft zwischen armen und reichen Klubs möglichst klein gehalten werden.Ein Verein wie Hertha BSC erhielt selbst als Zweitligist noch 165 000 DM aus dem Topf.Gleichzeitig konnte sich der letzte der Ersten Liga über immerhin 700 000 DM und der sechste über 2,1 Mill.freuen.Diese Vergabepraxis ist nun wohl nicht mehr aufrechtzuerhalten.Die Europapokal-Vereine werden durch das Urteil gestärkt und als Ausrichter anerkannt.Künftig dürfen sie ihre Heimspiele im UEFA-Cup und im Europapokal der Pokalsieger wieder selbst vermarkten, wie dies bis Ende der achtziger Jahre üblich war. Kein Wunder, daß die Vertreter des FC Bayern München mit dem Urteil keine Probleme haben.Präsident Franz Beckenbauer, verstand das "ganze Geheul" nicht.Man müsse sich nun eben auf eine neue Situation einstellen.Klaus Fuchs, Manager des soeben aus dem UEFA-Cup ausgeschiedenen Karlsruher SC, sah keine Gefahr, daß das Urteil auf die Vermarktung der Bundesliga übergreift.Fuchs schlug eine politische Lösung nach dem Vorbild der US-amerikanischen "Bill of Sports" vor, die sportliche Aktivitäten von kartellrechtlichen Vorschriften ausnimmt.Mit der rasanten Zunahme der Fernsehgelder in den achtziger Jahren hatte der DFB die Vergaberechte an sich gezogen.Ein Verein wie Hertha BSC bestreitet heute mit Fernsehgeldern ein Viertel seines Etats.Bislang sorgte der DFB dafür, daß diese Gelder gerecht verteilt wurden.Dabei berief er sich auf seine Rolle als Veranstalter. Die Auffassung des DFB, er sei als "deutscher Arm" des europäischen Verbandes UEFA auch bei Europapokalspielen Mitveranstalter, wies das Gericht jetzt zurück.Der deutsche Verband nehme bei solchen Spielen nur "untergeordnete Koordinierungsaufgaben" wahr.Die "wesentlichen Leistungen" würden von den Vereinen erbracht, hieß es in der Urteilsbegründung.Das Gericht wies auch darauf hin, daß die ebenfalls vom DFB gehaltenen Übertragungsrechte an Bundesligaspielen von dieser Entscheidung nicht betroffen sind. UFA-Geschäftsführer Bernd Bauer bedauerte den BGH-Spruch.Nun sei unklar, wer eigentlich der Ansprechpartner für die Vermarkter sei.Auch auf seiten anderer Bundesliga-Vereine überwogen negative Stimmen.Hansa Rostocks Präsident Eckhardt Rehberg kritisierte daß "hier ein gut funktionierendes Solidarsystem zerschlagen wird".Er begrüßte die Gesprächsangebote von Vertretern "reicher Vereine".So hatte Rummenigge angekündigt, daß man sich mit den Vertretern anderer Vereine zusammensetzen wolle."Die Bayern sind immer im Europacup dabei, doch alle anderen kann es jederzeit treffen, daß sie zu den Verlierern der neuen Regelung gehören", sagte Rehberg.Er hofft deshalb auf eine freiwillige Übereinkunft der deutschen Vereine zu einer Aufteilung der Gelder.Ansonsten müsse auf europäischer Ebene eine Lösung gesucht werden.Denkbar sei, daß die UEFA als unumstrittener Mitveranstalter künftig auch über die Verteilung der Europapokal-Gelder innerhalb der nationalen Ligen entscheidet.

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