US-Aktienmarkt : Börse: Auf Regen folgt der Sonnenschein

Der Dow Jones macht die US-Anleger glücklich: Gewinne in Höhe von satten 1,4 Milliarden Euro konnten sie seit dem Zwischentief im August aufgrund des aktuellen Rekordhochs verbuchen. Die Baisse steht aber auf wackeligen Füßen.

New YorkDas bekannteste US-Börsenbarometer, der Dow-Jones-Index, hat angetrieben von einer starken Kaufwelle zum Quartalsbeginn einen neuen Rekord von 14.087,55 Punkten aufgestellt. Damit hat der Index die während der jüngsten Finanzmarktkrise verbuchten Verluste inzwischen mehr als wettgemacht. Der Dow ist seit seinem Zwischentief vom 16. August um fast zehn Prozent oder insgesamt 1242 Punkte in die Höhe geschossen und liegt momentan um 13 Prozent höher als zum Jahresbeginn.

Die Anleger verbuchten innerhalb von sechs Wochen Gewinne von mehr als zwei Billionen Dollar (1,4 Milliarden Euro). Allerdings hatten sie zuvor ähnliche Verluste erlitten. Der Standard & Poor's-500-Index, der die Kursentwicklung der 500 wichtigsten US-Unternehmen widerspiegelt, liegt mit 1547,04 Punkten fast auf Rekordniveau.

Börse profitiert von Wirtschaftsproblemen

Die Analysten und Investoren sind optimistisch, dass die US-Notenbank unter ihrem Chef Ben Bernanke nach der überraschend starken Leitzins-Senkung um ein halbes auf 4,75 Prozent angesichts der wackeligen US-Wirtschaft und der Kreditprobleme weitere Zinssenkungen vornehmen wird. Fallende Zinsen sind positiv für die Aktienbörsen.

Die Wall Street reagierte auch positiv auf die Milliarden-Abschreibungen der amerikanischen Citigroup und der schweizerischen UBS. Die Anleger halten das Großreinemachen in den Bilanzen der Großbanken und Investmentbanken für gut. Damit würden klarere Verhältnisse im Hinblick auf Verluste und Verpflichtungen im Gefolge des Hypothekenmarkt-Debakels und der gewaltigen Kreditzusagen an Privatinvestoren für deren Firmenaufkäufe auf Pump geschaffen. Die Finanzwerte schossen auf breiter Front in die Höhe.

Die Höhenflieger sind seit dem Kurseinbruch im Juli und in der ersten Augusthälfte exportorientierte oder auf das Auslandsgeschäft konzentrierte US-Großkonzerne wie der Flugzeughersteller Boeing, der Ölriese ExxonMobil, der Mischkonzern United Technologies und der Computer-Konzern IBM. Sie profitieren vom massiven Dollar-Kursverfall, der US-Produkte im Ausland billiger macht und die im Ausland verbuchten Gewinne der amerikanischen Multis in Dollar ausgedrückt stark nach oben treibt.

Auch Nasdaq legt gewaltig zu

Auch viele andere Technologie- und Internetwerte haben auf breiter Front zugelegt. Dies hat den mit Technologieaktien vollgepackten Nasdaq-Index auf 2740,99 Punkte oder auf das höchste Niveau seit sechs Jahren getrieben. Ihre Gewinne dürften sich bei dem erwarteten deutlichen konjunkturellen Schwächeanfall im weiteren Jahresverlauf und in der ersten Hälfte 2008 besser entwickeln als die vieler anderer US-Unternehmen. Der Nasdaq-Index liegt allerdings noch weit unter dem auf dem Höhepunkt der Internet-Spekulationsblase verbuchten Rekordstand vom März 2000. Damals hatte der Nasdaqeinen astronomischen Höchststand von 5048,62 Punkten erreicht.

Baisse-Vertreter warnen hingegen vor den nach ihrer Meinung noch ungelösten amerikanischen Immobilien-, Bau- und Kreditmarkt-
Problemen, dem plötzlichen Fast-Stillstand der monumentalen Akquisitionswelle der Privatinvestoren, den schlechten US-Konjunkturaussichten und langsamer steigende Unternehmensgewinnen. Außerdem habe es in der Vergangenheit so häufige Fehlstarts an der Börse gegeben, dass Vorsicht geboten sei. (mit dpa)

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