Wirtschaft : US-Arbeitsmarkt bleibt neutral

Neue Daten helfen weder Obama noch Romney.

Washington - Der Arbeitsmarktbericht Nummer 46 ist der letzte vor der US-Präsidentschaftswahl. Deshalb dürfte Amtsinhaber Barack Obama vor der Veröffentlichung der brisanten Zahlen sicher noch nervöser als sonst gewesen sein. Schon in normalen Monaten gilt die Statistik als wichtiger Gradmesser für die Leistung des Präsidenten in Wirtschaftsfragen. Doch so kurz vor der Wahl könnte die Bedeutung des Reports für Obama kaum größer sein. Schlechte Daten hätten im Kopf-an-Kopf-Rennen ums Weiße Haus dem Kontrahenten Mitt Romney in die Hände gespielt, positive Überraschungen hätten die Wiederwahl des Amtsinhabers wahrscheinlicher gemacht. Doch lieferte der Bericht kein klares Ergebnis.

Hinsichtlich der Arbeitslosenquote musste Obama einen Schlag in die Magengrube einstecken. Der Wert stieg leicht auf 7,9 Prozent und lag damit 0,1 Prozentpunkte höher als vor einem Monat und – viel wichtiger – als bei seinem Amtsantritt im Januar 2009. Immerhin übersprang er nicht wieder die psychologisch wichtige Marke von acht Prozent, über der er bis September 43 Monate lang gelegen hatte. Doch die Historie ist nicht auf Obamas Seite: Nach dem Zeiten Weltkrieg hat es nur Ronald Reagan geschafft, trotz einer Arbeitslosenquote von mehr als sechs Prozent im Amt zu bleiben.

So verschenkte Romney am Freitag auch keine Zeit: „Die heutige Zunahme der Arbeitslosigkeit ist eine traurige Erinnerung, dass die Konjunktur praktisch im Stillstand ist“, erklärte er nur eine gute halbe Stunde nach Vorlage der Daten. Sein Hauptargument lautet, dass das Jobwachstum nicht mit dem Bevölkerungswachstum mithalten kann.

Denn obwohl die Erwerbslosenquote stieg, wurden im Oktober 171 000 neue Stellen geschaffen, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Das waren wesentlich mehr, als Experten erwartet hatten. Zudem wurde für die Vormonate das Jobwachstum um rund 90 000 Stellen nach oben korrigiert. Die Arbeitslosenquote nahm dennoch zu, weil mehr als eine halbe Million Amerikaner zusätzlich auf den Arbeitsmarkt geströmt seien. Romney nutzte auch das für seine Argumentation. „Wenn ich Präsident bin, unternehme ich echte Veränderungen, die zu einer echten Erholung führen“, lautete seine Wahlkampfparole.

Das Weiße Haus freilich deutete den letzten Arbeitsmarktbericht vor der Wahl anders: „Der heutige Bericht liefert weitere Beweise, dass die US-Wirtschaft sich weiter von dem größten Niedergang seit der Großen Depression erholt“, sagte Obamas Wirtschaftsberater Alan Krueger und verwies darauf, dass der Privatsektor seit 32 Monaten am Stück zusätzliche Arbeitsplätze schaffe – insgesamt schon 5,4 Millionen. Ökonomen schlagen sich eher auf die Seite des Amtsinhabers: „Die Zahlen waren insgesamt gut und liefern weitere Hinweise, dass sich die US-Wirtschaft auf Erholungskurs befindet“, sagt etwa Robert Wood von der Berenberg Bank. dpa

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