US-Automarkt : Blech-Dinos sterben aus

Sinneswandel dank hoher Spritpreise: Die amerikanischen Autokäufer wollen neuerdings keine großen Geländewagen mehr, sondern kaufen zunehmend kleinere Fahrzeuge. Die US-Autobauer leiden unter dieser Entwicklung - deutsche Hersteller halten sich jedoch gut.

Hummer
Spritschlucker wie dieser Hummer sind in den USA zunehmend ungefragt. -Foto: dpa

Detroit/NewDie Rekord-Spritpreise krempeln den US-Automarkt um: Der Umschwung der Käufer hin zu sparsamen Wagen hat sich im Mai nochmals beschleunigt. Der Gesamtabsatz brach laut Marktforschern um gut zehn Prozent ein, weil sich die einst beliebten schweren Geländewagen und Pickups nochmals schlechter als bisher verkauften. Ford-Manager Jim Farley sprach von einem "atemberaubenden" Wandel. Experten gehen von einem dauerhaften Trend aus. Gut halten können sich dagegen japanische Hersteller wie Toyota und Honda mit ihrem breiten Angebot kleinerer Autos. Auch die meisten deutschen Autobauer trotzten dem Abwärtstrend.

Beim Marktführer GM brach der Verkauf der schweren Geländewagen und Pickups um mehr als ein Drittel ein. Der Gesamtabsatz fiel dadurch um gut ein Viertel auf 272.000 Fahrzeuge. Toyota, inzwischen die Nummer zwei im US-Markt, konnte trotz ebenfalls sinkender Verkaufszahlen den Abstand zum Branchenprimus auf rund 15.000 Fahrzeuge verkürzen. Der Absatz der Marken Toyota und Lexus sank um 4,3 Prozent auf 257.000 Wagen. Bei Chrysler schmolz der Absatz um rund ein Viertel auf 149.000 Autos. Auch Ford litt weiter unter schlechten Verkäufen seiner schweren Wagen, insgesamt fiel der Absatz um 16 Prozent auf 218.000 Fahrzeuge.

Elektrowagen Chevy Volt soll schnell kommen

Ein Symbol für den Wandel ist, dass der Ford-Pickup F-150, viele Jahre lang das populärste Modell im US-Markt, in der Käufergunst gleich von je zwei Autos von Toyota und Honda überholt wurde. Auch die Japaner hatten bis zuletzt versucht, bei den einst lukrativen schweren Wagen Fuß zu fassen. In den vergangenen Monaten wurden in den USA erstmals mehr kleinere Autos als Geländewagen und Pickups verkauft.

GM trägt dem Wandel mit einem Verstärkten Fokus auf Kleinwagen Rechnung und will auch den Elektrowagen Chevy Volt schnell in Serienproduktion bringen. Am Dienstag wurde zudem die Schließung von vier Pickup-Werken angekündigt. Sowohl Volkswagen als auch die Daimler-Stammmarke Mercedes-Benz konnten die Verkäufe um 0,1 Prozent erhöhen, BMW legte einschließlich des Mini sogar um 3,1 Prozent zu. Bei Porsche setzte sich dagegen der Abwärtstrend der vergangenen Monate fort: Der Absatz brach im Jahresvergleich um 17 Prozent ein. Porsche verwies aber darauf, dass der Vorjahreswert der beste Mai-Wert gewesen sei, den Porsche jemals in Nordamerika erzielt habe.

Daimler punktet mit Smart

Die einstige Chrysler-Mutter Daimler konnte dank des in den USA neuen Zweisitzers Smart deutlich zulegen. Zu 21.785 verkauften Autos der Marke Mercedes-Benz kamen im Mai 2695 Smart hinzu. Insgesamt legte der Absatz dadurch trotz stagnierender Mercedes-Verkäufe um 12,4 Prozent auf 24.480 Fahrzeuge zu. Daimler verkauft den Smart in den USA seit Mitte Januar. Bis Ende Mai wurden von dem Zweisitzer in den USA insgesamt 8854 Fahrzeuge ausgeliefert. Auch BMW profitierte im Mai von seinem Kleinwagen. Dank der starken Nachfrage nach dem Mini stieg der US-Absatz insgesamt auf 31.800 Fahrzeuge. Den Zuwachs verdankte BMW ausschließlich dem Mini, dessen Absatz um mehr als 50 Prozent auf 6312 Autos in die Höhe schnellte. Die Kernmarke BMW setzte mit knapp 25.500 Autos dagegen 4,6 Prozent weniger ab als vor einem Jahr.

VW verkaufte im Mai wie im Vorjahr rund 22.000 Autos in den USA. Während beim wichtigsten Modell Jetta der Absatz um ein Fünftel auf 8300 Wagen einbrach, legte das zweitwichtigste Modell Passat um knapp 19 Prozent auf 3700 Fahrzeuge zu. Die VW-Tochter Audi setzte mit 8500 Autos 2,9 Prozent weniger ab als ein Jahr zuvor. Porsche verkaufte dagegen nur noch 2800 Sport- und Geländewagen in dem Land. Einschließlich Kanada lag der Absatz bei 3000 Fahrzeugen, ebenfalls 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Während der Cayenne um vier Prozent auf 1244 Auslieferungen zulegte, brachen bei den Modellen 911 und Boxster die Verkaufszahlen deutlich ein. Der Absatz des 911 sank um fast ein Drittel auf 901, der Boxster-Absatz um ein Fünftel auf 859 Auslieferungen. (ck/dpa)

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