Wirtschaft : US-Automarkt: Daimler-Chrysler lebt von Mercedes-Benz

alf

Daimler-Chrysler hat im vergangenen Jahr so gerade die Unterkante des selbstgesteckten Ziels erreicht. Wie der Konzern am Freitag mitteilte, liegt der Betriebsgewinn für 2001 voraussichtlich bei 1,2 Milliarden Euro. Konzernchef Jürgen Schrempp hatte sich auf eine Ergebnisspanne zwischen 1,2 und 1,7 Milliarden festgelegt. Einschließlich der Sanierungskosten unter anderem für Chrysler schließt der Konzern das Jahr aber mit einem Milliardenverlust ab.

Trotz des operativen Gewinns wird Daimler-Chrysler 2001 auf Grund der Sanierungkosten bei Chrysler (rund drei Milliarden Euro) sowie den Töchtern Freightliner (365 Millionen Euro) und Mitsubishi (400 Millionen Euro) mit einem Jahresverlust von rund 2,5 Milliarden Euro abschließen. Im Jahr 2000 hatte Daimler-Chrysler noch einen operativen Gewinn von 5,2 Milliarden Euro erreicht, 1999 waren es sogar 10,3 Milliarden Euro. Nach der mittelfristigen Ertragsplanung, die Schrempp im Februar 2001 vorgelegt hatte, soll der Konzern in diesem Jahr einen Gewinn zwischen 5,5 und 6,5 Milliarden Euro erreichen, für 2003 ist dann eine Bandbreite zwischen 8,5 und 9,5 Milliarden Euro angepeilt. Die Börse reagierte positiv auf die jüngste Konzernmitteilung. Mit einem Plus von 3,3 Prozent auf 50,79 Euro gehörte die Daimler-Chrysler-Aktie bis zum Freitagnachmittag zu den stärksten Papieren im Dax, der sich um rund 1,5 Prozent verbesserte.

Der Autoanalyst Jürgen Pieper von Metzler Equity Research sagte auf Anfrage, die Unternehmenszahlen lägen im Rahmen der Erwartungen. Für das kommende Jahr sei entscheidend, ob Chrysler tatsächlich wieder in die schwarzen Zahlen komme. Der Chrysler-Verlust sowie die Sanierungsaufwendungen haben den Konzern im vergangenen Jahr mit mehr als fünf Milliarden Euro belastet. "Entscheidend ist, was General Motors (GM) macht", sagte Pieper mit Blick auf die enormen Rabatte, mit denen die US-Autohersteller den Absatz in Schwung halten. Die jüngste Ankündigung von Marktführer GM, in diesem Jahr bei jedem Auto einen Preisnachlass von rund 2000 Dollar zu gewähren, bewertete Pieper positiv, da der Rabatt um zehn bis 15 Prozent unter dem bislang gewohnten Niveau bleibe. Die Hersteller hätten keine andere Wahl, als den Pkw-Markt wieder langsam von den üppigen Verkaufshilfen zu entwöhnen.

Bei Freightliner, der Lkw-Tochter von Daimler-Chrysler, geht Pieper davon aus, dass das Schlimmste überstanden ist, und auch bei der japanischen Mitsubishi, an der Daimler-Chrysler 37 Prozent hält, könnte im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnschwelle erreicht werden, meinte der Autoanalyst.

Das Unternehmen bewertet in seiner jüngsten Mitteilung den Absatz der Pkw-Marken Mercedes-Benz und Smart als "Highlight des Jahres 2001". Von beiden Marken setzte der Konzern rund 1,225 Millionen Fahrzeuge (plus sechs Prozent) ab, davon 110 000 Smart (plus acht Prozent). Beide Pkw-Marken zusammen konnten den Umsatz um etwa sieben Prozent auf 46 Milliarden Euro und damit auf ein Rekordniveau steigern. Dagegen lieferte die Chrysler Group mit den Marken Chrysler, Jeep und Dodge deutlich weniger Fahrzeuge aus: Der Absatz fiel von 3,05 Millionen auf 2,74 Millionen Einheiten, der Umsatz fiel entsprechend auf 62 Milliarden Euro. Gleichzeitig habe "die Chrysler Group die Ziele des Kostensenkungsprogramms deutlich übertroffen und geht davon aus, dass sie ihr im Februar 2001 avisiertes Ergebnisziel trotzt der nicht vorhersehbaren schwierigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erreicht hat", schreibt Daimler-Chrysler. Sowohl bei Chrysler als auch bei Freightliner befänden sich die Sanierungsprogramme im Plan.

Allerdings hat "die schwierige Marktsituation" dem Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge schwer zu schaffen gemacht. Aufgrund der Absatzschwäche in Nordamerika, in Westeuropa, Lateinamerika und in der Türkei sank der Verkauf von Lastwagen und Bussen von 549 000 auf 492 000. Der Umsatz in diesem Bereich fiel um etwa fünf Prozent auf rund 28 Milliarden Euro. Der US-Markt drückte auch auf die Dienstleistungstochter Daimler-Chrysler-Services, die nicht zuletzt bei Finanzierungen und im Flottenmanagement tätig ist. Der Umsatz der früheren Debis sank im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf voraussichtlich 17 Milliarden Euro.

Die Mitsubishi Motors Corporation verkaufte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres (vom 1.4 bis 30.9.) 658 000 (675 000) Fahrzeuge, der Umsatz stagnierte. Die japanische Beteiligungstochter "macht weiter gute Fortschritte" und halte an dem Ziel fest, "für das Ende März 2002 ablaufende Geschäftsjahr den Break Even zu erreichen", schreibt die Daimler-Chrysler.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben