US-Banken : Die Krise ist nicht vorbei

In den USA ist die Arbeitslosigkeit noch immer hoch, der Dollar nach wie vor schwach. Die Banken stehen wegen Zwangsversteigerungen am Pranger.

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Bewaffnetes Räumkommando. Drei Millionen Häuser wurden seit 2007 in den USA zwangsgeräumt.
Bewaffnetes Räumkommando. Drei Millionen Häuser wurden seit 2007 in den USA zwangsgeräumt.Foto: AFP

Berlin/Washington - Die Krise holt die amerikanischen Banken wieder ein. Diesmal kommt sie in Gestalt von Ermittlern, die prüfen, ob es bei den massenhaften Zwangsräumungen von Häusern überschuldeter Privatleute mit rechten Dingen zugegangen ist. Sie untersuchen die Geschäftspraktiken von Banken in 50 Bundesstaaten. Ermittlungen solchen Ausmaßes hat die Branche seit Jahren nicht gesehen.

Es sind die Geister, die sie riefen, damals, vor der Krise. Viele Banken haben damals Hypotheken an Familien ausgegeben, die sich ein Haus eigentlich gar nicht leisten konnten. Als Sicherheit reichte, dass die Immobilienpreise immer weiter stiegen und stiegen. Das Restrisiko haben die Banken einfach ausgelagert, indem sie die Kredite verbrieften und als Wertpapiere an andere Banken und Investoren verkauften. Als die Immobilienblase platzte, konnte viele Kreditnehmer ihre Hypotheken nicht mehr zurückzahlen. 2007 brach der Markt in sich zusammen – der Beginn der Finanzkrise.

Drei Millionen Häuser wurden seitdem in den USA zwangsgeräumt. Auch in diesem Jahr stehen Schätzungen zufolge wieder 1,2 Millionen Häuser vor der Zwangsversteigerung, weil die Eigentümer ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Jetzt aber prüfen die Behörden, ob die Versteigerungen überhaupt rechtmäßig waren. Sie werfen den Banken vor, die Unterlagen für die Zwangsräumungen nicht ordentlich geprüft zu haben. Überlastete Mitarbeiter hätten die Dokumente roboterartig unterzeichnet. Die Bank of America reagierte bereits und setzte als erstes großes Geldhaus Zwangsversteigerungen in allen 50 Bundesstaaten vorsorglich aus. JPMorgan zog in einigen Bundesstaaten nach und will sich zumindest mehr als 100 000 Fälle noch einmal genauer ansehen.

Für die Banken kann die Geschichte teuer werden: Wenn die Institute die Immobilien nicht mehr verkaufen können, auf den faulen Krediten sitzen bleiben und zudem noch Strafen von den Aufsichtsbehörden kassieren, drohen ihnen neue Milliardenbelastungen. „Damit wird die Erholung bei den Banken schwieriger“, sagt Ralf Grönemeyer, Marktanalyst bei Silvia Quandt Research.

Die Deutsche Bank spielt nach eigenem Bekunden bei den Zwangsräumungen keine Rolle, da sie lediglich Kredit-Sicherheiten im Auftrag anderer Institute verwalte. Das sagte ein Sprecher am Freitag. Als Investmentbank hat sie allerdings Hypothekenkredite verbrieft und vertrieben, was ihr bereits in mehreren US-Bundesstaaten Klagen wegen mutmaßlicher Falschberatung eingebracht hat.

Die Wirtschaft in den USA hat sich immer noch nicht von der Krise erholt. Zwar haben die amerikanischen Einzelhändler ihre Umsätze im September überraschend stark gesteigert. Das ist ein wichtiger Konjunkturindikator, denn die Wirtschaftsleistung in den USA hängt zu mehr als zwei Dritteln vom privaten Konsum ab. Die Arbeitslosigkeit ist aber nach wie vor hoch – so hoch, dass US-Notenbankchef Ben Bernanke am Freitag eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht stellte. Die Gefahr der Deflation sei derzeit unerwünscht groß und die Arbeitslosigkeit eindeutig zu hoch, sagte Bernanke am Freitag. Die US-Notenbank müsse Kosten und Nutzen von weiteren Anleihekäufen zur Erhöhung der Geldversorgung abwägen. Zudem könne die Fed die Leitzinsen noch länger als erwartet nahe null Prozent halten. Indem sie billiges Geld in den Markt pumpt, schwächt die Notenbank den Dollar – und erleichtert es den Banken, wieder neue Kredite zu vergeben. mit rtr

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