Wirtschaft : US-Bankenfusion treibt die Börsenkurse in die Höhe

Heftige Spekulationen über weitere Zusammenschlüsse auf dem Finanzsektor / Die Deutschen wiegeln ab NEW YORK/FRANKFURT (MAIN) (rtr).Die Fusionspläne im US-Bankensektor haben den Bankaktien an den weltweiten Börsen Auftrieb gegeben.Auch in Deutschland legten am Dienstag die Kurse der Kreditinstitute nach den jüngsten beiden Meldungen aus den Vereinigten Staaten kräftig zu.Die US-Großbanken BankAmerica und Nationsbank hatten am Montag mitgeteilt, sie wollten zur größten Bank der USA fusionieren.Auch Banc One und First Chicago erklärten, daß sie sich zusammenschließen wollten.Am Montag abend hatten an der New Yorker Börse Nationsbank, BankAmerica und First Chicago zugelegt, während Banc One auf ihrem vorösterlichen Wert stagnierte.Bereits in der vergangenen Woche hatten mehrere Finanzinstitute Fusionsabsichten bekanntgegeben. Nun wird an der New Yorker Börse über weitere Bank-Zusammenschlüsse heftig spekuliert.Jetzt sind selbst die größten Banken in Zugzwang geraten.Die BankAmerica /Nations Bank und die Citicorp/Travlers haben nämlich den bisherigen Branchenführer Chase Manhattan - gemessen an Einlagen und Bilanzsumme - überrundet und auf Platz drei verdrängt.Die Chase Manhattan möchte liebend gern ihr Investmentbankgeschäft stärken und hatte sich in der Vergangenheit vergeblich um eine Hochzeit mit Merrill Lynch bemüht, der größten US-Investmentbank.Die Nummer vier unter den US-Großbanken ist die J.P.Morgan, New York, die sich von einer Geschäftsbank in eine Investmentbank umzuwandeln versucht.Sie hat bisher kein Interesse an einem Partner gezeigt.Auf dem fünften Rang hat die Banc One klargemacht, daß sie nach weiteren Aufkaufzielen sucht, sobald die Übernahme der First Chicago über die Bühne ist.Zu den denkbaren US-Bankenkombinationen zählen ferner die Wells Fargo mit ihrer Basis in Kalifornien und im Westen der USA und die U.S.Bancorp mit ihrer sehr starken Stellung im Mittleren Westen und Nordwesten der USA.Auch die im Mittleren Westen beheimatete KeyCorp könnte für die U.S.Bancorp ein sehr attraktives Übernahmeziel sein. Die Sun Trust in Atlanta und die Wachovia in Winston-Salem / North Carolina, könnten ein attraktives Paar im Südosten der USA werden.Die Mellon Bank in Pittsburgh zeigte sich früher einmal vergeblich an der Bank of New York interessiert.Die PNC Bank in Pittsburgh und die Key Corp in Cleveland würden nach Ansicht von Bankenexperten ebenfalls gut zusammenpassen. Zur jüngst bekanntgegebenen Fusion aus BankAmerica und Nationsbank teilten beide Institute am Montag in New York mit, die entstehende Bank werde einen Börsenwert von 133 Mrd.Dollar haben.Die fusionierte Bank werde über eine Bilanzsumme von 570 Mrd.Dollar verfügen.Der geplante Zusammenschluß wäre die größte Bankenfusion und die zweitgrößte Unternehmensfusion der Geschichte. Aus der Fusion der Banc One und First Chicago werde eine Bank mit einem Börsenwert von etwa 72 Mrd.Dollar entstehen, teilten diese Institute mit.Branchenexperten sagten, die fusionierte Bank würde die fünftgrößte US-Bank.Die Bilanzsumme der neuen Bank werde 280 Mrd.Dollar erreichen.Nach der Fusion würden die Aktionäre von First Chicago 40 Prozent am Unternehmen halten. An der Frankfurter Börse stiegen am Montag bei insgesamt eher ruhigen Geschäft die Deutsche Bank um 1,3 Prozent, Dresdner Bank um fünf Prozent und Commerzbank um 2,3 Prozent.Die BHF-Bank kletterte im frühen Xetra-Handel - nachdem Gerüchte aufkamen, daß die niederländische ING-Finanzgruppe Interesse an der Bank habe - um über zwei Prozent und zog damit den Deutschen Aktienindex (Dax) auf ein neues Rekordniveau von zwischenzeitlich über 5400 Punkten.Bis zum Ende des Präsenzhandels gab das deutsche Börsenbarometer allerdings wieder leicht nach und schloß bei 5374,78 Zählern.Dies war ein Plus von 1,1 Prozent.Finanztitel waren auch diejenigen, die die höchsten Umsätze verzeichneten. Sprecher der Frankfurter Großbanken, um die sich seit Monaten die unterschiedlichsten Fusions- und Kooperationsgerüchte ranken, verbreiteten im Gegensatz zum Trubel auf dem Parkett Gelassenheit.Die Lage für die Deutsche Bank habe sich nicht geändert, betonte ein Vertreter des Branchenführers.Auch bei der Commerzbank und der Dresdner Bank hieß es, die Entwicklung in den USA erhöhe hierzulande nicht den Druck. Ähnlich war die Entwicklung auch an der Berliner Börse.Auch am hiesigen Platz zogen die Finanztitel auf breiter Front an.Beobachter wollten ein weiteres Klettern des Dax in den kommenden Tagen nicht ausschließen, mahnten aber zur Vorsicht.Die Anleger sollten sich auf ausgesuchte Titel konzentrieren und Kursrückschläge zu Zukäufen nutzen. In London brachten die Banktitel ebenfalls den führenden Aktienindex auf einen neuen Rekordkurs.In Paris und Amsterdam legten Bankaktien deutlich zu, wobei die Spekulationswelle durch die bevorstehende Entscheidung der französischen Regierung über die Privatisierung der Bank Credit Industriel et Commercial (CIC)) noch gestärkt wurde. Auch in der Bankengroßmacht Schweiz zeigten die Fusionen Wirkung.Spekulationsobjekt war erneut die Credit-Suisse-Gruppe, deren Aktien sich erheblich verteuerten.Grund waren wiederaufgeflammte Spekulationen über eine Fusion des Allfinanzkonzerns mit einer vergleichbaren niederländischen Gruppe wie ING Groep NV oder ABN Amro Bank.Allerdings sagten Börsenanalysten, so etwas dürfte nicht unmittelbar bevorstehen, da die Credit-Suisse-Gruppe noch mit dem Verdauen der Übernahme der Winterthur-Versicherungen beschäftigt sei.

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