Wirtschaft : US-Billigflieger soll Lufthansa helfen

Jet Blue verfügt über wichtige Start- und Landerechte

Frankfurt am Main/Berlin - Mit dem Einstieg bei dem US-Billigflieger Jet Blue will die Lufthansa ihre Position in den USA festigen und ihre Maschinen auf dem New Yorker Kennedy-Flughafen besser mit Zubringerflügen versorgen. Dort ist Jet Blue die größte Fluggesellschaft. Nur fünf Prozent der Passagiere, die mit Lufthansa von New York nach Deutschland fliegen, kommen aus anderen US-Städten. Umgekehrt will Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bessere Anschlussflüge in den USA anbieten. Rund 200 Millionen Euro lässt er sich den 19-Prozent-Einstieg bei dem Billigflieger kosten. Beide Unternehmen passten hervorragend zusammen, betonten Mayrhuber und Jet-Blue- Chef Dave Barger am Freitag in Frankfurt.

Als erste europäische Fluglinie nutzt Lufthansa damit die Chance des neuen Luftverkehrsabkommens der EU mit den USA. Jedoch sind Mehrheitsübernahmen von US-Fluglinien weiter nicht möglich, eine Beteiligung ist auf 25 Prozent begrenzt. Auch bei Air Berlin sieht man sich in den USA nach Partnern als Zu- und Abbringer um. „Das wäre aber keine Beteiligung, sondern im Rahmen eines Codeshare-Abkommens“, sagte Air-Berlin- Sprecher Peter Hauptvogel dem Tagesspiegel. Den Einstieg der Lufthansa bei Jet Blue bezeichnete er als „Beleg, dass unser Geschäftsmodell so falsch nicht sein kann“. Die inzwischen zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft war ursprünglich ebenfalls als Billigflieger gestartet.

Mayrhuber selbst sieht keine Schwierigkeit in der künftigen Verbindung zwischen einer auf hohen Komfort ausgerichteten Lufthansa und einem Billigflieger wie Jet Blue: „Wir beteiligen uns an einem Premiumanbieter.“ Die seit Februar 2000 aktive Fluglinie – inzwischen die achtgrößte Fluglinie in den USA – hat ihre 134 Flugzeuge mit Ledersesseln und Bildschirmen an jedem Platz ausgestattet und wird künftig auch Internet an Bord anbieten. Jet Blue beschäftigt rund 11 000 Mitarbeiter und fliegt 53 Ziele in den USA, Mexiko und der Karibik an. 2006 verbuchte das Unternehmen mit 18,5 Millionen Passagieren einen Umsatz von 2,4 Milliarden Dollar (plus 39 Prozent) und einen Nettoverlust von einer Million Dollar nach 20 Millionen Dollar im Vorjahr.

Lufthansa glaubt, dass sich das Investment schnell rechnet. „Die Aktie von Jet Blue ist unterbewertet. Außerdem war der Zeitpunkt für den Einstieg angesichts des schwachen Dollars richtig“, sagte Finanzchef Stephan Gemkow. Lufthansa zahlt für die 42 Millionen Aktien, die aus einer Kapitalerhöhung stammen, je 7,27 Dollar. Nord-LB-Analystin Martina Noß nannte den Kauf „grundsätzlich positiv“. „Lufthansa hat sich einen wichtigen Markt gesichert und gezeigt, dass sie zuschlägt, wenn der Preis fair ist.“ Vor kurzem hätte die Jet-Blue-Aktie noch 17,50 Dollar gekostet. Von einem Gebot für die angeschlagene Alitalia hatte Lufthansa dagegen gerade erst abgesehen.

Am Freitag wurde bekannt, dass die beiden Angebote für die italienische Fluglinie weit unter deren Marktpreis liegen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters bietet die französisch-niederländische Air France-KLM 35 Cent pro Aktie. Das entspricht insgesamt rund 485 Millionen Euro – weniger als die Hälfte des derzeitigen Marktwerts von Alitalia. Die italienische Air One biete nur einen Cent. ro/jul

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