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US-Börse : Warum der Dow Jones erstmals über 20.000 Punkte sprang

Der Dow Jones ist auf Rekordjagd. Am Mittwoch kletterte er auf ein neues Allzeithoch. Wie lange kann die Trump-Euphorie noch anhalten? Wo liegen die Risiken? Eine Analyse.

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Große Freude. Börsianer jubeln über den Kurssprung an der Wall Street.
Große Freude. Börsianer jubeln über den Kurssprung an der Wall Street.Foto: dpa

Gerade einmal 46 Tage benötigte der Dow Jones für 1000 Punkte. Am Mittwoch knackte der führende US-Index nun zur Eröffnung die symbolisch wichtige Marke von 20.000 Punkten. Am 22. November hatte er die Marke von 19 000 Punkten erobert. Die mehrfach für tot erklärte Trump-Rallye könnte damit in die nächste Stufe gehen. „Die Trump-Rallye ist intakt und wieder da“, sagt Neil Wilson, Marktanalyst bei ETX Capital.

Seit der Wahl am 8. November hatten Anleger alle großen US-Indizes zunächst in einer massiven Rallye nach oben geschoben. Der Dow Jones war nach mehreren gescheiterten Anläufen bis auf wenige Zehntelpunkte an die Marke von 20.000 Punkten gekommen, hatte es dann aber nicht geschafft, sie hinter sich zu lassen. Viele Banken und Analysten befürchteten, die Kurse könnten wieder einbrechen, sobald die neue US-Regierung mit der Arbeit begonnen hat.

Doch es geschah das Gegenteil. Donald Trump hatte zu Wochenbeginn mit seinen Ankündigungen ernst gemacht und den Ausstieg aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen TPP erklärt, das die Handelsbeziehungen zwischen den USA, Japan, Neuseeland, Australien, Kanada und einigen asiatisch-pazifischen Ländern erleichtern wollte.

Am Dienstag hatte er dann nachgelegt: Zwei umstrittene Öl-Pipeline-Projekte, die sein Vorgänger Barack Obama gestoppt hatte, sollen wieder aufgenommen werden. Papiere des Ölsektors, etwa von Chevron oder ConocoPhillips, legten daraufhin deutlich zu. Vor allem die Entscheidungen Trumps, die Pipelineprojekte voranzutreiben, und das Treffen mit den Spitzen der US-Autoindustrie komme bei den Anlegern gut an, sagte Wilson. Zuvor hatten viele Anleger daran gezweifelt, ob Trump frühere Ankündigungen überhaupt umsetzen würde, so der Analyst.

Symbolische Grenze nicht überbewerten

Unterstützt wurden die Aktien-Käufe von guten Quartalszahlen und der Hoffnung auf Steuersenkungen, eine Deregulierung der Banken und mehr Investitionen in die reformbedürftige US-Infrastruktur. Auf den Orderlisten standen neben den Banken am Donnerstag vor allem Boeing, der Baumaschinen-Riese Caterpillar, der Technologiekonzern 3M und der Computer-Gigant IBM.

Während Caterpillar nach Meinung der Investoren von Infrastruktur-Investitionen profitieren sollte, begeisterte Boeing mit guten Quartalszahlen. Der Flugzeugbauer verdient spürbar mehr und will im laufenden Jahr mehr Verkehrsflugzeuge ausliefern als 2016. Die Papiere legten zeitweise um 2,3 Prozent zu. Die Aktien des Aluminium-Herstellers Alcoa gewannen 1,8 Prozent. Der Konzern profitiert von steigenden Aluminiumpreisen und erwirtschaftete nach der Aufspaltung einen höheren Umsatz als erwartet.

Von den 79 Unternehmen, die bisher einen Einblick in ihre Bilanzen zum Jahresende gewährt haben, übertrafen nach Reuters-Berechnungen 70 Prozent die Erwartungen der Analysten. Damit könnte die US-Wirtschaft im zurückliegenden Quartal zum zweiten Mal in Folge steigende Gewinne vorlegen, nachdem die Gewinne in den fünf Quartalen zuvor gefallen waren.

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Skeptiker bemängelten, die Eroberung des Dow-Meilensteins bedeute nur, dass die Kurse der 30 größten börsennotierten US-Unternehmen ein wenig gestiegen seien. Man dürfe symbolische Grenzen nicht überbewerten. Auch einige große Banken hatten zuletzt zur Vorsicht gemahnt. So hatte Goldman Sachs-Chefvolkswirt David Kosten gewarnt, die Anleger überschätzten die von Trump angekündigten Steuersenkungen. Der Markt könne nach einem kurzen Anstieg auch deutlich fallen.

Optimisten wiederum wiesen darauf hin, dass die Marke von 20.000 Punkten psychologisch sehr wichtig sei – und jene ins Boot locken könnte, die bisher skeptisch geblieben waren und nun nicht den davon rennenden Kursen zusehen wollen. Zudem werde der Schub an den Aktienmärkten die Rotation vieler Anleger aus Anleihen in Aktien beschleunigen, glaubt Wilson.

Auch andere Indizes nehmen wieder Fahrt auf

Neben dem Dow Jones legten jedoch auch die anderen Indizes nach einigen Tagen des Rückfalls wieder deutlich zu. So hat der Russell 2000, der 2000 kleinere Unternehmen mit eher inner-amerikanischem Fokus abbildet, am Mittwoch wieder Fahrt aufgenommen und seit der Wahl von Trump bisher 15 Prozent zugelegt. Auch der S & P 500, der die Entwicklung der 500 größten US-Unternehmen spiegelt, und der Tech-Index Nasdaq legten zu. Am Dienstag waren die beiden Indizes bereits auf neue Rekordstände geklettert, allerdings ohne dabei symbolisch wichtige Marken zu erobern. Die Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik Trumps schien verflogen, sagten Marktexperten.

Trotz der Eroberung der Marke von 20.000 Punkten bleibt weiter unklar, ob die Hausse nachhaltig ist. Der Dow Jones geht im Frühjahr in das neunte Jahr steigender Kurse. Begonnen hatte die Hausse im Frühjahr 2009, als der Dow nach der Finanzkrise im Tief bei 6547 Punkten aufsetzte. Seither hat sich der US-Leitindex damit mehr als verdreifacht. Die längste Hausse der US-Geschichte dauerte allerdings gut zehn Jahre.

Anlegern, die auf US-Aktien setzen wollen, bietet sich in Deutschland ein breites Spektrum an aktiv gemanagten Fonds wie auch passiven Fonds (ETF). In der Vergangenheit schlugen sich meist die Papiere angloamerikanischer Fondsgesellschaften deutlich besser als Papiere deutscher Fondsgesellschaften. Wissen müssen deutsche Anleger aber, dass sie mit der Investition in den US-Markt nicht nur ein Kursrisiko, sondern auch ein Währungsrisiko eingehen. Fällt der Dollar, kann das die Gewinne auffressen.

Im zurückliegenden Jahr wandelte sich das Risiko jedoch zur Chance, denn der steigende Dollar hätte den 24prozentigen Gewinn mit dem Dow Jones um etwa ein Prozent erhöht. In den vergangenen fünf Jahren waren es wegen der Euro-Schwäche sogar knapp 18 Prozent. Die meisten Analysten gehen auch von einem weiter festen Dollar aus, denn in den USA steigen die Zinsen wieder deutlich, womit der Dollar höhere Renditen abwirft als andere Währungen – und damit gefragt ist.

Auch für die US-Konjunktur sind viele Marktbeobachter optimistisch, Trump habe die USA in einer Phase anziehenden Wachstums übernommen, heißt es. Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordtief, das Verbrauchervertrauen erreichte soeben den höchsten Wert seit 2001. Das Wachstum könne in diesem Jahr durchaus in Richtung drei Prozent gehen, heißt es. Und auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die USA gerade erhöht.

Einen Artikel darüber, wie sich Anleger durch Rebalancing des Portfolios vor Crashs schützen können, finden Sie hier.

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