Wirtschaft : US-Broker-Aufsicht unter Verdacht

WASHINGTON (zz/HB). Schwere Attacke gegen Verbaucherschützer: Der vom amerikanischen Gesetzgeber geschaffene Fonds SIPC, der die Kunden von Brokern gegen Mißbrauch und Ausplünderung schützen soll wie der Einlagensicherungsfonds FDIC bei den Banken, setzt sich mehr für die Broker als für deren Klienten ein. Diese massiven Vorwürfe erhebt die Public Investors Arbitration Bar Association, eine Anwaltsvereinigung, die sich nach eigenen Aussagen den Interessen der Investoren verpflichtet fühlt.Die SIPC (Securities Investor Protection Corp.) wimmelt demnach Eingaben von Brokerkunden häufig ab. Die von ihr beauftragten Spezialanwälte an der Wall Street stünden in einem ständigen Interessenkonflikt, weil sie die Broker auch privat vertreten würden. Einer der von der Anwaltvereinigung aufgegriffenen Fälle: 1996 befand sich ein Anleger auf einer Reise nach Mittelamerika. Sein Broker investierte in dieser Zeit 160 000 Dollar in eine Anlage, die komplett verloren gingen. Die SIPC verwarf die Beschwerde aus formalen Gründen: Der Anleger habe nicht innerhalb von zehn Tagen das ungenehmigte Geschäft gerügt."Die SIPC tut alles in ihrer Macht stehende, um Ansprüche von Brokerkunden abzuwehren anstatt sie zu prüfen und durchzusetzen", so ein Sprecher der privaten Anwaltsvereinigung. Der Kongreß solle endlich die Arbeit der SIPC untersuchen. Der SIPC gehören etwa 7500 amerikanische Brokerunternehmen an. Sie zahlen, unabhängig von ihrer Firmengröße, einen Jahresbeitrag von 150 Dollar. So kommen im Jahr 1,125 Mill. Dollar zusammen.Gegen die Vorwürfe wehrt sich die SIPC vehement. Seit ihrer Gründung im Jahre 1970 habe sie bei begründeten Ansprüchen gegenüber 278 Brokerfirmen 333 Mill. Dollar für die Anleger herausgeholt. Aber: Die Ansprüche müssen "klar dokumentiert sein", sagt der SIPC-Anwalt Stephen Harbeck. Und das wäre Aufgabe der Anleger, die sich geschädigt fühlen.

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