Wirtschaft : US-Einzelhändler bangen um ihr Weihnachtsgeschäft

pf/kk

Das Weihnachtsgeschäft in den Vereinigten Staaten ist bisher schlecht angelaufen. Der Umsatz des amerikanischen Einzelhandels am Thanksgiving-Wochenende, das erfahrungsgemäß Hinweise auf das Geschäft der Branche bis Weihnachten, gibt, war nach bisherigen Zahlen schwach. Die Terrorangriffe vom 11. September haben die Amerikaner noch ausgabescheuer gemacht als sie es auf Grund der schwachen Wirtschaft schon waren. Etwa 62 Millionen Menschen haben am letzten Freitag, dem Tag nach Thanksgiving, eines der etwa 1500 Einkaufszentren besucht, stellte die Firma RCT Systems Inc Fest. Das waren 8,1 Prozent weniger als in der vergleichbaren Vorjahresperiode. Der Tag nach dem Truthahnfest ist gewöhnlich der umsatzstärkste des ganzen Jahres.

Kaufhäuser wurden nach RTCs Stichproben von 12,4 Prozent weniger Menschen besucht. Am Samstag gingen die Besucherzahlen in den Shopping-Zentren um 6,8 Prozent und in den Kaufhäusern um 11,6 Prozent zurück. Thanksgiving allein ist jedoch nach Expertenmeinung nicht immer ein zuverlässiger Maßstab. "Die Verbraucher verhalten sich nicht jedes Jahr gleich", sagte der Einzelhandelsexperte Kurt Barnard. "Immer häufiger schieben die Konsumenten ihre Weihnachtskäufe auf kurz vor Weihnachten hinaus."

Nun richten sich alle Hoffnungen auf die anstehende Weihnachtssaison. Linda Kristiansen, Analystin der Investmentbank UBS Warburg sieht den Feiertagskäufen optimistisch entgegen. "Es wird nicht großartig aber sicher okay sein", sagt sie voraus. Sie setzt auf die stimulierende Wirkung der Steuererleichterungen. Die zahlreichen Entlassungen in der US-Wirtschaften werden sich aus ihrer Sicht noch nicht negativ auf die Geschenksaison auswirken.

Für die amerikanischen Konsumenten steht - angesichts der Massenentlassungen - das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vordergrund. Darauf werde sich der Einzelhandel einstellen, glaubt Tom Holliday, Präsident der Werbevereinigung der National Retail Association. "Wir werden massenhaft Sonderangebote sehen", sagt Holliday voraus. "Das Thema Nummer eins ist bei den Amerikanern derzeit das eigene Heim," erklärt Kristiansen. Seit den Anschlägen läuft alles gut, was den Aufenthalt in den eigenen vier Wänden angenehmer macht, "vom Essen bis zum Fernsehgerät", sagt die UBS Warburg-Analystin. Deshalb wird Wal-Mart zur Weihnachtssaison einen DVD-Spieler für 85 Dollar ins Sortiment nehmen.

Die Optimisten hoffen, dass sich die Konsumenten zu Weihnachten von Sonderangeboten und neuen Produkten in die Läden locken lassen und das Geld, das sie nicht fürs Reisen ausgeben, für Geschenke locker machen. Die teureren Kaufhäuser versuchen dagegen mit kleineren Luxusartikeln Kunden anzulocken - statt einer Perlenkette reicht es in diesem Jahr vielleicht nur für ein Parfüm. Doch es gibt auch Pessimisten. Die Investmentbank Merrill Lynch rechnet im Weihnachtsgeschäft - gemessen am Vorjahr - mit einem Umsatzrückgang von drei Prozent.

0 Kommentare

Neuester Kommentar