Wirtschaft : US-Eliten und Sars

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Verständlicherweise geriet die Universität von Berkeley unter Beschuss, als sie den Campus für Studenten aus Sarsbetroffenen Ländern sperrte, da diese die Krankheit verbreiten könnten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fand die Maßnahme „unverhältnismäßig angesichts des wirklichen Risikos". Sie sei kontraproduktiv und könnte Panik erzeugen. „Die WHO hält es nicht für ratsam, ausnahmslos alle Personen ins Visier zu nehmen, die aus Sars-betroffenen Gegenden kommen." Die Gesundheitsbehörden hätten die Krankheit genügend erforscht, um die Gefahr zu verringern, ohne pauschale Einreiseverbote aussprechen zu müssen. Schon bald gab Berkeleys Universitätsleiter, Robert Behrdal, klein bei. Chinesische Studenten wurden wieder zugelassen.

Bleibt die Frage, was die ursprüngliche Entscheidung und ihre Zurücknahme motiviert hat – bestimmt war auch die Angst vor Prozessen beteiligt, die alle Leiter öffentlicher amerikanischer Institutionen verfolgen. Wäre ein Sars-Fall auf dem Campus aufgetaucht, wäre bestimmt ein Multimillionendollarprozess gefolgt. Die Verwaltung hätte erklären müssen, wie sie angesichts des Risikos Studenten aus Hongkong, Taiwan und China annehmen konnte. Man versteht, warum Behrdal übervorsichtig war: zum Schutz seiner Universität. Doch sofort nach Behrdals Ankündigung gab es Rassismusvorwürfe. Asiatischstämmige Amerikaner sahen sich als Opfer. Der Campus von Berkeley, Wiege der politischen Korrektheit, bereitete sich auf einen Sommer der Proteste vor.

Irrationale Reaktionen auf die Sars-Gefahr gab es überall, und der Rassismusvorwurf ist natürlich unhaltbar. Aber dieser Vorwurf ist in den USA so mächtig, dass man mit einer logischen Argumentation dagegen nicht ankommt. Obwohl Berkeley eigentlich gar kein Risiko eingehen wollte, war man nach dem Einsatz von Bürgerrechtlern bereit, die betroffenen Studenten isoliert auf dem Campus unterzubringen.

Angesichts der Berichte von Chinesen, die ihre Haustiere töten und Quarantänestationen zerstören, um Sars-Patienten zu vertreiben, kann man fragen, ob man bei der Bekämpfung der Krankheit in China nicht auch rationaler vorgehen könnte. Den akademischen Eliten Amerikas könnte man allerdings dieselbe Frage stellen.

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