US-Firmen : Ein Loblied auf den deutschen Standort

Vor wenigen Jahren noch waren US-Unternehmen mehr als skeptisch: Der Standort Deutschland galt als unattraktiv. Davon ist heute nichts mehr zu hören:US-Firmen sind von Deutschland überzeugt wie selten zuvor.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Der Standort Deutschland galt als abgeschlagen nicht nur hinter Ländern wie Tschechien, China oder Indien, sondern auch hinter anderen westeuropäischen Staaten. Von Abwanderung war sogar die Rede. Davon ist heute nichts mehr zu hören: „Der Standort hat kontinuierlich gewonnen und ist für US-Firmen sehr attraktiv. Ihr Investitionsvolumen ist in Deutschland so hoch wie in keinem anderen Land der Welt“, umschreibt Norbert Quinkert, Vize-Präsident der US-Handelskammer (AmCham) in Deutschland die Lage. Mit insgesamt 800 000 Mitarbeitern beschäftigen US-Firmen an keinem anderen Standort der Welt außerhalb ihrer Heimat so viele Menschen wie in Deutschland. Und sie bleiben auf Expansionskurs, wie AmCham-Präsident Fred Irwin am Mittwoch in Frankfurt versicherte. „Die Investitionen in Deutschland werden 2007 und 2008 weiter steigen.“ So gibt zum Beispiel die Bank Citigroup rund 260 Millionen Euro für ihr neues Servicecenter bei Frankfurt aus.

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Aktuell investieren US-Firmen hierzulande rund 130 Milliarden Euro. Gemessen am Umsatz ist der Ölkonzern Exxon (Esso) mit rund 17 Milliarden Euro im vergangenen Jahr vor der General-Motors-Tochter Opel, Ford und dem Mischkonzern General Electric weiter die Nummer eins. Mit Blick auf die Arbeitsplätze steht die Schnellimbisskette McDonald’s mit 52 000 Mitarbeitern vor Ford und Opel an der Spitze. Stark expandiert haben in den vergangenen Jahren die Computerfirma Dell und das Internetauktionshaus Ebay.

Allerdings ziehen sich auch US-Firmen zurück. 2006 war das vor allem der Supermarkt-Riese Wal-Mart, der seine Märkte nach mehreren erfolglosen Jahren an Metro verkaufte. Beendet hat auch die amerikanische National Football League ihren Auftritt in Deutschland. 16 Spielzeiten hatten dem Unternehmen jedes Jahr im Schnitt einen Verlust von 25 Millionen Euro beschert.

Die gewachsene Attraktivität des Standortes hat nach Angaben von Irwin nicht nur mit umgesetzten Reformen zu tun, sondern auch damit, dass US-Firmen auf einem Markt mit 80 Millionen Verbrauchern präsent sein wollen und von Deutschland aus leicht den gesamten west-, süd- und osteuropäischen Markt bearbeiten können. Wichtig sei, dass sich die allgemeine Stimmung deutlich gebessert und sich damit das Bild Deutschlands in den USA gewandelt habe.

Gleichwohl sieht AmCham noch Schwächen: Die Kammer wünscht sich vor allem eine weitere Liberalisierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. „Mehr Spielraum bei Kündigungsschutz und Befristung, niedrigere Lohnzusatzkosten und der Verzicht auf Mindestlöhne würden einen echten Arbeitsmarkt schaffen und die Langzeitarbeitslosigkeit eindämmen“, sagt Irwin.

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