Wirtschaft : US-Firmen kritisieren Reformstau

Frankfurt am Main - Gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl haben die größten US-Unternehmen in Deutschland von der Politik mehr Reformen für einen wettbewerbsfähigeren Standort gefordert. „59 Prozent der Unternehmen sehen in Deutschland einen Reformstau“, sagte der Vizepräsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham), Ralf Brinkmann, am Donnerstag in Frankfurt. Nur 22 Prozent seien der Meinung, dass Deutschland in der nächsten Legislaturperiode umfassende Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik gelingen werden. „Das zeigt die allgemeine Skepsis der Wirtschaft gegenüber der Politik“, sagte AmCham-Geschäftsführer Dierk Müller.

Die Manager der deutschen Töchter von US-Firmen fordern unter anderem einen Abbau der Bürokratie, eine bezahlbare Energiewende, mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und die Abkehr von Steuererhöhungsplänen. Große Hoffnung stecken sie in die angestrebte Freihandelszone zwischen den USA und der EU.

„Die mit der Agenda 2010 begonnenen und umgesetzten Reformen haben Deutschland international wettbewerbsfähiger gemacht“, sagte Bernhard Mattes, Präsident von AmCham Germany und Chef von Ford Deutschland. Nun müssten diese und weitere Reformen konsequent umgesetzt werden, damit Deutschland ein attraktiver Standort bleibe. Insgesamt sei die Mehrheit der US-Unternehmen aber zufrieden mit dem Standort.

Nach dem Rekordjahr 2011 konnten die Top-50-US-Gesellschaften hierzulande ihre Umsätze nochmals um 1,3 Prozent auf 176 Milliarden Euro steigern. Sie entwickelten sich damit besser als die deutsche Wirtschaft insgesamt (0,7 Prozent). Zudem erhöhten sie die Zahl ihrer Mitarbeiter um 1,6 Prozent auf 357 000. Umsatzstärkstes Unternehmen bleibt Ford, das am Donnerstag ankündigte, seine Produktion im Kölner Motorenwerk zu verdoppeln. Die meisten Mitarbeiter beschäftigt McDonald’s. dpa

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