Wirtschaft : US-Fluggesellschaften droht die Pleite

Steigender Kerosinpreis bringt Delta und Northwest in Bedrängnis – auch die Konkurrenz leidet

Maren Peters

Berlin - Stark gestiegene FlugbenzinPreise und jahrelange Verluste haben die amerikanischen Fluglinien Delta und Northwest offenbar an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht. Nach einem Bericht der „New York Times“ wurde bei beiden Unternehmen erwartet, dass sie im Laufe des Mittwoch Insolvenzschutz beantragen könnten. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war das Ergebnis noch nicht bekannt. Die Zeitung berief sich auf Kreise, die mit den Plänen der Unternehmen vertraut sind. Die Unternehmen selbst sagten, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Die Spekulationen kommen nicht überraschend. Erst vor einem Monat hatte die amerikanische Börsenaufsicht SEC vor einer bevorstehenden Pleite der drittgrößten US-Airline Delta gewarnt, sollten die Barreserven auf ein „nicht akzeptables Niveau“ sinken. Die US-Luftfahrtgesellschaften leiden unter Überkapazitäten, hohen Pensionsverpflichtungen, der Konkurrenz der Billigflieger und den deutlich steigenden Kerosinpreisen. Schon vor dem Hurrikan Katrina hätten die Gesellschaften 50 Prozent mehr für Flugbenzin ausgeben müssen, seitdem seien die Preise noch einmal um 25 Prozent gestiegen, hieß es.

Wenn Delta und Northwest Gläubigerschutz nach Artikel 11 („chapter 11“) des amerikanischen Insolvenzrechts beantragen, gäbe ihnen das die Möglichkeit, ihr Geschäft fortzuführen, ohne die Gläubiger bedienen zu müssen. Sie hätten zudem die Gelegenheit, den Gewerkschaften niedrigere Löhne für die Angestellten abzutrotzen. Für die Strecken und Passagiere würde sich nichts ändern.

Sollten die Unternehmen tatsächlich Insolvenzanträge stellen, würden vier der sieben großen US-Fluglinien unter dem Schutz des Chapter 11 fliegen. Darunter ist auch United, das wie die Lufthansa Mitglied der Star-Alliance ist. Für die Lufthansa werde eine mögliche Insolvenz „nach jetzigem Kenntnisstand“ keine Auswirkungen haben, sagte eine Unternehmenssprecherin dieser Zeitung. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Delta, die seit Mai Direktflüge von Berlin nach New York anbietet, den Wettbewerb mit einem neuen Preiskampf herausfordern werde. Den leichten Kursrückgang der Lufthansa-Aktie am Mittwoch führte Mario Kristl, Luftfahrt-Analyst von Helaba Trust, auf den hohen Ölpreis zurück. Er mache es Luftfahrtunternehmen immer schwerer, sich abzusichern. Wegen der gestiegenen Ölpreise werden die Fluggesellschaften in diesem Jahr insgesamt knapp 100 Milliarden Dollar für Kerosin ausgeben, schätzt der Internationale Luftverkehrsverband (Iata).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben