Wirtschaft : US-Flughäfen: Von den Europäern lernen

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Nach den Terrorangriffen des 11. September suchen die USA nun fieberhaft nach den richtigen Methoden, um die Sicherheitsstandards ihrer Flughäfen zu verbessern. Und da sind die Sicherheitsschleusen der europäischen Flughäfen ein gutes Vorbild. Das liegt unter anderem daran, dass die Europäer im Gegensatz zu den USA auf weitreichende Erfahrungen im erfolgreichen Umgang mit Terror zurückgreifen können. Auf dem Londoner Flughafen Heathrow wird beispielsweise jede Tasche durchleuchtet und jedes Gepäckstück wird einem Passagier zugeordnet. Für die Kontrollen sind private Schutz- und Wachdienste zuständig, deren Personal - im Gegensatz zu den amerikanischen Kollegen übrigens - anständig bezahlt wird. Dementsprechend geringer ist die Personalfluktuation verglichen mit US-Flughäfen.

Andere europäische Flughäfen wie Frankfurt, Kopenhagen, Rom, Athen, Wien und Zürich haben das Heathrow-Modell längst übernommen. Es gelten wesentlich schärfere Sicherheitsmaßnahmen als auf amerikanischen Flughäfen, und trotzdem werden die Passagiere ohne übermäßige Wartezeiten abgefertigt.

Gegenwärtig besteht das größte Sicherheitsdefizit in den USA darin, dass es massive Verantwortungslücken zwischen den Fluglinien und den einzelnen Flughäfen gibt. Die USA täten gut daran, die Verantwortung zu zentralisieren und strengere Standards von der Bundesregierung durchsetzen zu lassen. Außerdem sollte durch Inkognito-Tests kontrolliert werden, ob die Sicherheitsmaßnahmen tatsächlich gewissenhaft und effektiv durchgeführt werden. Bestehen die Flughäfen entsprechende Tests nicht, müsste ihnen die Betriebsgenehmigung entzogen werden.

Leider aber ist nicht zu erwarten, dass sich die Dinge in diese Richtung entwickeln. Die Demokraten fordern zum Beispiel, dass sämtliche 25 000 Sicherheitskontrolleure der amerikanischen Fluglinien jetzt vom Staat angestellt werden. "Wir wollen keine hausfremde Armee, die uns vor Invasionen aus dem Ausland beschützt," hieß es von Seiten des demokratischen Kongressabgeordneten Jim Oberstar. Und natürlich wollen eben diese Demokraten, dass sich ihre Arbeiter gewerkschaftlich organisieren. Ein politischer Zug? Klar ist jedenfalls, dass die gewerkschaftlich organisierten Staatsdiener eine gewichtige Basis bei der Unterstützung der Demokraten sind.

Selbst die unter uns, die nicht gerade gut Freund mit den Liberalen sind, sehen die zwingende Notwendigkeit für eine zentrale Flugsicherung in Amerika. Und dennoch sind Bundesbeamte kaum die richtige Lösung für eine Neuordnung. Bisher hat genau diese Berufsgruppe immer versucht, Veränderungen zu verhindern - besonders wenn es um die Rationalisierung von Arbeitsplätzen ging: "Eine staatliche Arbeiterschaft wird sich gegen arbeitsplatzsparende Technologien zu wehren wissen und mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie sich einer Gewerkschaft anschließen," meint Robert Poole, Direktor für Verkehrsstudien der Reason Foundation.

Kein Wunder, dass die US-Regierung lieber ein anderes Modell verwirklicht sähe: Präsident Bush will eine neue Bundesbehörde ins Leben rufen, die die Standards für die Einstellung des Sicherheitspersonals und die Gepäck- und Personenkontrolle festlegt, während die Umsetzung von privater oder öffentlicher Seite erfolgt. Dieses Modell hat sich in Europa längst behauptet. Und offenbar funktioniert es.

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