Wirtschaft : US-Fonds wird Eigentümer der Kieler Werft HDW

beu/wt/HB

Der von der Bundesregierung gewünschte Verbund der beiden Thyssen-Werften mit der Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) könnte doch noch zu Stande kommen. Die US-Fondsgesellschaft One Equity Partners hat nach Übernahme der Mehrheit an HDW den Konzernen Thyssen-Krupp Industries AG, Muttergesellschaft der Hamburger Werften Blohm + Voss, und Thyssen Nordseewerke (TNSW), Emden, sowie der Essener Ferrostaal AG einen Anteil von jeweils 15 Prozent an HDW angeboten.

Thyssen Krupp Industries-Sprecher Alfred Wewers bestätigte das Angebot. Zugleich hätten Thyssen Krupp und HDW die unterbrochenen Gespräche über die Kooperation bei Marineexporten wieder aufgenommen. Wewers: "Wir betrachten die Gespräche über die Zusammenarbeit und über einen Werftenverbund als Einheit."

Babcock-Borsig verkauft 25 Prozent seiner HDW-Anteile an One Equity, die Tochter des US-Kreditinstituts Bank One in Chicago. Preussag und der Finanzinvestor Bayern-Finanz veräußern insgesamt 50 Prozent minus eine HDW-Aktie an den US-Investor. So wird One Equity mit 75 Prozent minus eine Aktie Großaktionär der weltweit führenden U-Bootwerft HDW. Babcock behält 25 Prozent plus eine Aktie. One Equity verpflichtet sich, HDW als "unabhängige deutsche Universalwerft zu erhalten". Der Deal wurde am Montag vom Babcock-Aufsichtsrat genehmigt. Babcock-Vorstandschef Klaus Lederer bleibt in Personalunion weiter HDW-Chef. Lederer, wird sich aber nach eigenen Angaben aus dem Babcock-Vorsitz zurückziehen. Den Zeitpunkt hat er jedoch offen gelassen.

Er habe nicht den HDW-Deal mit One Equity eingefädelt, erklärte US-Investor Guy Wyser-Pratte gegenüber dem Handelsblatt. Das sei allein das Werk von Babcock-Chef Lederer. Der Amerikaner begrüßte aber den Einstieg der US-Fondsgesellschaft als "einen ersten Schritt, damit HDW Zeit gewinnen und sich von verschiedenen Altgesellschaftern trennen kann". Wyser-Pratte, der 5,5 Prozent an Babcock Borsig hält, deutete aber an, dass die beiden US-Rüstungskonzerne General Dynamics und Northrop Grumman hinter der US-Investmentfirma stecken könnten. In Marinekreisen wird Northrup als Interessent genannt. Der Grund: Northrup ist sehr an dem von HDW speziell für U-Boote entwickelten, weltweit einmaligen Brennstoffzellenantrieb interessiert.

HDW beschäftigt in Deutschland 4100 und in der Gruppe 5300 Mitarbeiter. In den Auftragsbüchern stehen derzeit keine Handelsschiffsneubauten mehr, aber 19 U-Boote im Wert von 5,2 Milliarden Euro. Darüber hinaus laufen Verhandlungen über U-BooteAufträge von einer bis zwei Milliarden Euro. Aus den Aufträgen erwartet HDW einen Gewinn von rund 600 Millionen Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar