US-Hypothekenkrise : Finanzkrise bringt Wirtschaftswachstum in Gefahr

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht durch die anhaltende Finanzkrise das wirtschaftliche Wachstum in Gefahr. Durch eine US-Politik der niedrigen Zinsen sei das Wachstum zu sehr beschleunigt worden. Das wirke sich auch auf die deutsche Wirtschaft aus.

HamburgDie Finanzkrise bremst nach Ansicht des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger das Wachstum der Weltwirtschaft. "Wir erleben derzeit das Ende eines langen und ungewöhnlich starken globalen Aufschwungs", sagte Bofinger der Tageszeitung "Die Welt". In den letzten dreieinhalb sei die Weltwirtschaft so gut gelaufen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Allerdings seien in der amerikanischen Geldpolitik entscheidende Fehler gemacht worden. Die niedrigen Zinsen hätten auf die Wirtschaft wie eine Art Doping gewirkt und nicht nur die amerikanische Konjunktur beschleunigt, sondern die ganze Weltwirtschaft.

"Dieser Effekt fällt jetzt weg und beendet damit eine Phase extrem guten Wachstums", sagte Bofinger. Das dürften auch die Unternehmen in Deutschland zu spüren bekommen. Trotzdem sieht er für Verbraucher und auch mittelständische Unternehmen keinen Grund, in Panik zu verfallen. Für die Industrie sehe es etwas schlechter aus. "Aber sie ist international so gut aufgestellt und verfügt über so große Auftragsbestände, dass sie mit einer etwas verhalteneren Exportnachfrage auch noch ganz gut über die Runden kommen wird", sagte Bofinger.

Kein schnelles Ende der Turbulenzen

Ein Ende der durch die US-Hypothekenkrise ausgelösten Turbulenzen an den Finanzmärkten ist nach Einschätzung von Experten nicht in Sicht. Am Donnerstag hatten die Aktienmärkte erneut hohe Verluste eingefahren. Es herrsche ein große Unsicherheit im Markt, erklärten Händler. Wie schwer weltweit die großen Banken durch die US-Kreditkrise in Mitleidenschaft gezogen würden, sei völlig unklar. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 sank auf den niedrigsten Stand seit 5 Monaten, er verlor 2,89 Prozent auf 4062,33 Zähler. Der deutsche Leitindex Dax schloss mit einem Minus von 2,36 Prozent. Der Londoner Aktienindex FTSE 100 brach um 4,1 Prozent ein und fiel zum ersten Mal seit März unter die psychologisch bedeutende Marke von 6000 Punkten.

US-Finanzminister Henry Paulson räumte ein, dass die Turbulenzen das Wirtschaftswachstum in den USA beeinträchtigen könnte. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy forderte, die G7-Finanzminister sollten bei ihrer Tagung im Oktober in Washington das Thema auf die Tagesordnung setzen. (mit dpa)

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