Wirtschaft : US-Immobilienfonds: "Reits" profitieren von der Krise an den Börsen

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Während Anleger in Nasdaq-Aktien Trübsal blasen, reiben sich Investoren in Immobilienfonds die Hände. Sie hat die seit April 2000 anhaltende Aktienbaisse bisher verschont. Obendrein sehen Marktkenner keinen Grund für ein Ende des Booms noch in diesem Jahr. Allenfalls sei mit einem langsameren Anstieg zu rechnen. Das sind gute Nachrichten für Leute, die ihr Geld in steuerbegünstigte Real Estate Investment Trust gesteckt haben. Vertrieben werden diese als Reits bekannten Spezialfonds - es gibt inzwischen mehr als 300 - von Brokergesellschaften, Banken und Geldmanagern. Reits investieren in den Erwerb, Betrieb und Verkauf gewerblicher Gebäude und Grundstücke. Da ihre Aktien börsennotiert sind, kombinieren Reits die Chancen und Risiken von Aktien und Immobilien zugleich. Dem Wachstumsmarkt Nasdaq sind Reits jedoch um etliche Längen voraus, nicht zuletzt wegen ihrer hohen Dividendenausschüttungen: Brach der technologieschwere Nasdaq im vergangenen Jahr um mehr als 50 Prozent ein, stiegen Reits im Schnitt um 27 Prozent. Und dieses Jahr stehen sie mit ungefähr fünf Prozent im Plus gegenüber dem Nasdaq, der 21 Prozent verloren hat.

Die sich abkühlende Konjunktur wird im Urteil von Analysten keine wesentlichen Folgen für den Finanzzustand der Reits haben, so dass die Nachfrage weiterhin robust bleiben dürfte. "Selbst wenn die Wirtschaftsschwäche anhält, werden Reits die Nase vorn haben", meint der Analyst Ross Smotrich von Bear Stearns & Co. "Die Immobilienmärkte sind zwar weniger robust als vor einem Jahr - Makler melden landesweit höhere Leerstandsraten - doch ist ihr Zustand gesund".

Nicht alle Reits sind gleich. Wohn-und Industrie-Fonds zum Beispiel gelten auch in Zeiten der wirtschaftlichen Abkühlung als stabile Anlagen, weil sie im ganzen Land investieren. "Diese Reits schützen sich, weil sie flächendeckend sind, vor scharfen regionalen Abschwungphasen,", sagt Smotrich. Gute Ausssichten für Büro-Reits an der Westküste rechnet sich der Analyst Craig Silvers von der Firma Tucker Anthony Sutro in Los Angeles aus. "Nach unserer Einschätzung überschreitet an der Westküse die Nachfrage das Angebot und so dürfte es langfristig weiter gehen", glaubt Silver. Weniger begeistert ist Silver von Hotel-Reits oder den Entwicklern von Einkaufszentren. Wer auch den Reits nicht traut, kann Anteile von Immobilienfonds erwerben. So hat die Firma TMW Real Estate mit dem Geld deutscher Anleger kürzlich für 110 Millionen Dollar das MTV-Gebäude im kalifornischen Santa Monica erworben.

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