Wirtschaft : US-Investmentbanken: Die Institute suchen neue Märkte

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Die US-Investmentbanken haben in den vergangenen Monaten unter den rückläufigen Fusions-Aktivitäten der Industrie-Konzerne und einem schwachen Geschäft mit Börsengängen gelitten. Gleichzeitig profitierten sie von einer Belebung auf den Kredit- und Anleihemärkten und konnten auf den Bereich Vermögensverwaltung bauen. Dieser Trend wird nach Veröffentlichung der Quartalsberichte der beiden Investmenthäuser Goldman Sachs und Lehman Brothers bestätigt. Insgesamt leiden die Institute aber noch unter den schwachen und volatilen Aktienmärkten.

Während die im Kreditgeschäft starke Lehman Brothers vom "drittbesten Quartal ihrer Geschichte" sprach, hat die im Fusions-Geschäft und bei Börsengängen führende Bank Goldman Sachs Group wesentlich schwächere Ergebnisse als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum verzeichnet. Das Quartalsergebnis von Goldman Sachs ging im abgelaufenen Quartal um 24 Prozent auf 577 Millionen Dollar oder 1,13 Cents pro Aktie zurück. Analysten hatten zuvor ihre Erwartungen erheblich zurückgeschraubt und mit nur 1,06 Cents gerechnet.

Der Goldman-Umsatz ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf knapp vier Milliarden Dollar zurückgegangen. Bei der Betreuung von Börsengängen und Fusionen hat Goldman Sachs gegenüber dem zweiten Quartal 2000 die Hälfte des Umsatzes eingebüßt. "Wir spüren weiterhin das schwierige ökonomische Umfeld und die Schwäche der Aktienmärkte. Die nahe Zukunft bleibt ungewiss", sagte Vorstandssprecher Henry Paulson. Die Investmentbank litt offenbar auch darunter, dass Firmenkunden bei ihren Börsengängen derzeit vermehrt eine Versorgung mit Kredit-Kapital verlangen. Beim Börsengang von Kraft etwa war Goldman Sachs nicht beteiligt. Inzwischen hat sich der Konkurrent Citigroup, der neben dem Investmentbanking auch ein umfangreiches Kreditvergabe-Geschäft betreibt, auf einen der vordersten Plätze im Geschäft mit Börsengängen vorgearbeitet.

Deutlich besser sieht die Ergebnis-Entwicklung bei Lehman Brothers aus. Die besonders im Anleihe-Geschäft starke Bank hat gegenüber dem Vorjahres-Quartal ihr Ergebnis um 14 Prozent auf 430 Millionen Dollar erhöht. Mit einem Gewinn von 1,38 Dollar pro Aktie übertraf Lehman deutlich die Erwartungen der Analysten (im Schnitt: 1,14 Dollar pro Aktie). "Die starke Ergebnisentwicklung in einem wenig freundlichen Klima beweist, dass wir unseren Aktienbesitzern durch alle Zyklen hindurch Mehrwert bieten können", sagte Vorstandschef Richard Fuld. Das Anleihe-Emissionsgeschäft hat sich bei Lehman gegenüber dem Vorjahres-Quartal mehr als verdoppelt. So konnte Lehman den Umsatzrückgang im Aktienhandel mehr als ausgleichen.

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