Wirtschaft : US-Investor steigt bei Süd-Chemie ein

One Equity Partners kauft 39 Prozent des Konzerns – und strebt die Mehrheit an

Nicole Huss

München - Der US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) will die Mehrheit bei dem Münchener Spezialchemiekonzern Süd-Chemie übernehmen. Die OEP-Tochter SC-Beteiligungsgesellschaft teilte am Mittwoch mit, sie wolle den Aktionären von Süd-Chemie in der zweiten Julihälfte ein freiwilliges Übernahmeangebot machen. Dabei will die SC-Beteiligungsgesellschaft 35 Euro je Süd-Chemie-Aktie bieten.

Durch einen Kaufvertrag mit der Allianz, der Bayerischen Landesbank und der Possehl Stiftung hat sich der Finanzinvestor nach eigenen Angaben bereits den Zugriff auf rund 39,2 Prozent der Aktien gesichert, hieß es bei OEP. Ziel sei die Übernahme einer einfachen Mehrheit. Auf den Kurs der Aktie von Süd-Chemie hatte diese Ankündigung kaum Auswirkung. Am Mittwochnachmittag notierte das Papier mit 32 Euro auf Vortagesniveau.

One Equity Partners verwaltet als Investmenttochter der US-Bank JP Morgan 3,5 Milliarden Dollar und gehört zu denjenigen Finanzinvestoren, die SPD-Chef Franz Müntefering in der Kapitalismusdebatte um ausländische Investoren in Deutschland als „Heuschrecken“ bezeichnet hatte. OEP hatte Anfang 2002 schon die Mehrheit bei der Kieler Werft HDW übernommen. Inzwischen hat der Investor seine Anteile an Thyssen-Krupp abgegeben.

An Süd-Chemie waren bisher eine Vermögensgesellschaft des Allianz-Konzerns mit 19 Prozent, die Possehl Beteiligungsverwaltung in Lübeck mit 10,2 Prozent und eine Gesellschaft der Bayerischen Landesbank mit gut zehn Prozent beteiligt. Knapp 32 Prozent der Aktien sind nach Angaben von Süd-Chemie im Streubesitz. Süd-Chemie machte mit rund 5000 Mitarbeitern zuletzt einen Jahresumsatz von 862 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 51 Millionen Euro.

Bei One Equity Partners in Frankfurt am Main hieß es, Süd-Chemie sei ein hervorragendes Unternehmen. „One Equity Partners sieht sich als langfristiger unternehmerischer Partner, der die Süd-Chemie AG dabei unterstützt, mit Stammsitz in Bayern die globalen Positionen weiter auszubauen“, sagte Christopher von Hugo von OEP. Der Abbau von Stellen sei nicht geplant.

Die Allianz teilte mit, sich im Rahmen ihrer Strategie des Abbaus von Beteiligungen an Großunternehmen von ihren Anteilen an Süd-Chemie zu trennen. Der Veräußerungserlös bringt dem Konzern voraussichtlich rund 78 Millionen Euro ein. Die Bayerische Landesbank erklärte, die Beteiligung an Süd-Chemie sei für das Kreditinstitut weder strategisch noch für die Kernaktivitäten erforderlich. Der Einstieg von OEP sei eine „günstige Konstellation für die Zukunftsfähigkeit beziehungsweise Weiterentwicklung des Unternehmens.“ Laut Finanzkreisen soll OEP für die Anteile an Süd-Chemie rund 162 Millionen Euro bezahlt haben.

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