Wirtschaft : US-Konjunktur: Amerika muss kein Vorbild sein

Irgendwann ist auch ein Alan Greenspan mit seinem Latein am Ende. So radikal seine Politik des billigen Geldes auch sein mag, die Amerikaner werden noch ein Weilchen darauf warten müssen, dass ihre Wirtschaft wieder richtig Tritt fasst. Jedenfalls länger als es nach einer Zinswende bislang der Fall war. Der Meister allein kann den Aufschwung auf die Schnelle nicht bewerkstelligen - ob mit sieben oder acht Zinssenkungen. Die Lethargie, mit der Börsianer, Investoren und Konsumenten den US-Zinssenkungsmarathon derzeit zur Kenntnis nehmen, verrät einiges über Zustand und Perspektiven der USA. Jetzt rächt sich auch, dass in den goldenen 90er Jahren ohne Augenmaß Kapazitäten aufgebaut und Lager gefüllt wurden. Vor allem aber: Die Erschütterungen der New Economy haben vielen das Grundvertrauen geraubt. Schon vermuten Pessimisten, dass die US-Wirtschaft das globale Dorf in eine langwierige Krise stürzen werde, und sprechen von der ersten Bewährungsprobe in Zeiten der Globalisierung. Tatsächlich beeinträchtigt die lahmende US-Wirtschaft auch Asien und Europa. Und: Schneller als früher macht sich der Ausfall der mächtigen Amerikaner auf dem Weltmarkt bemerkbar. Zur Weltuntergangsstimmung aber besteht kein Anlass. Denn trotz Globalisierung bleiben die Ansteckungsgefahren begrenzt. Amerika und Europa - das sind zwei paar Schuhe; die Wirtschaftsregionen sind immer noch auf sich selbst gestellt. Denn die Binnennachfrage, nicht die Exporte, bestimmen über Wachstum und Wohlstand. Das heißt auch: Europa braucht seine eigene Medizin. Wachstum auf Kosten der Inflation ist kein Rezept für den europäischen Patienten.

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