Wirtschaft : US-Konjunktur: Der R-Wort-Indikator

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Am Anfang war ein Wort: Rezession. Abgedruckt auf den Seiten der wichtigsten US-amerikanischen Wirtschaftsblätter. Je häufiger das "furchterregende R-Wort" dort auftaucht, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft in den USA tatsächlich stagniert - sagte sich das US-Magazin Economist und erfand den so genannten R-Wort-Indikator. Eine deutsche Variante dieses Rezessions-Stimmungs-Indikators erarbeitete die Hypo-Vereinsbank. Grafik: Die Nase vorn Tatsächlich konnte damit der Konjunkturabschwung in diesem Frühjahr vorausgesagt werden: 279-mal tauchte damals das Wort Rezession im Handelsblatt auf, und damit so oft wie schon seit sieben Jahren nicht mehr. Angesichts aktueller Rezessionssorgen in den USA und in Japan sowie ungewisser Wachstumsperspektiven hier zu Lande droht der R-Wort-Indikator nun wieder hoch zu schnellen: Mitte Juli erreichte der R-Begriff einen neuen Höchststand von 135 Notierungen in FAZ und Handelsblatt innerhalb von nur vier Wochen. Eine Frage aber lässt der reine Zählindikator offen: Funktioniert er als Stimmungsbarometer deshalb so gut, weil Wirtschaftsredakteure über das Auf und Ab der Konjunktur so gut Bescheid wissen oder reden Meinungsmacher die Rezession erst herbei? Ob self-fulfilling prophecy oder nicht: Merkwürdigerweise ist der R-Wort-Indikator dem Wachstumsrückgang des BIP immer eine Nase voraus.

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