Wirtschaft : US-Konjunktur: Fed-Chef wertet Wachstumsrisiken höher als Preisrisiken

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Seit Jahresanfang hat die US-amerikanische Notenbank, die Federal Reserve (Fed), die Leitzinsen von 6,5 Prozent auf vier Prozent gesenkt, um dem erwarteten ausgeprägten Konjunktureinbruch die Spitze zu nehmen. Die Entschlossenheit, mit der Fed-Chef Alan Greenspan in fünf Schritten die Zinsen um je einen halben Prozentpunkt nach unten schleuste, gilt zumindest in Fachkreisen als außergewöhnlich.

Nach einem Prozent Wachstum im letzten Quartal 2000 wuchs die US-Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres zwar wieder um 1,3 Prozent. Doch Anzeichen einer nachhaltigen Erholung sind trotz der unerwartet besseren Daten für Auftragseingänge und Konsumentenvertrauen vom Dienstag noch nicht in Sicht. Von der optimistischen Prognose, dass es spätestens in der zweiten Jahreshälfte wieder mit der US-Wirtschaft deutlich bergauf gehe, haben sich die meisten Volkswirte wieder verabschiedet. Bei der Commerzbank rechnen die Volkswirte für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 1,5 Prozent. Unter günstigen Umständen, das heißt bei weiteren Zinssenkungen, wird für 2002 eine Rate von 2,8 Prozent veranschlagt.

Weil die Einzelhandelsumsätze in den USA weiter dünn sind, der Gewerbesektor keine Anzeichen einer Besserung zeigt, die Industrieproduktion sinkt und der Arbeitsplatzabbau weitergeht, rechnete die Mehrheit der Börsianer am Mittwoch fest damit, dass die Fed gleichentags die sechste Zinssenkung bekanntgeben wird. Dabei wird in der Fed zunehmend kontrovers diskutiert, inwieweit die Notenbank mit noch tieferen Zinsen womöglich über ihr Ziel hinausschießt und zusätzlichen Preisdruck erzeugt, während das stärkere Wachstum noch auf sich warten lässt. Fed-Beobachter rechnen gleichwohl damit, dass die Mehrheit in der Fed das Konjunkturrisiko nach wie vor höher gewichtet als das Preisrisiko. Tatsächlich sprechen der starke Dollar, volle Lager und eine niedrige Kapazitätsauslastung gegen eine galoppierende Teuerung. Auch die Volkswirte sind optimistisch: Zurzeit liegt die US-Inflation bei 3,6 Prozent. Bis Jahresende soll sie auf drei Prozent sinken.

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