Wirtschaft : US-Konjunktur: Industrieproduktion in den USA geht weiter zurück

Die Schwäche der US-Konjunktur dauert an. Die Industrieproduktion ging im Mai im achten Monat in Folge zurück. Eine solch lange Phase des Rückgangs war zuletzt vor fast 20 Jahren, während der Rezession im Dezember 1982 verzeichnet worden.

Zugleich stiegen die Verbraucherpreise im Mai so stark wie seit vier Monaten nicht mehr. Der Verbraucherpreisindex, Hauptindikator für die Inflation, legte im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozent zu, teilte das Arbeitsministerium in Washington mit. Weil die Notenbank Fed die Inflationsgefahr aber weiter als gering einschätzt und die Industrieproduktion eine andauernde Konjunkturschwäche signalisiert, gilt eine weitere Zinssenkung der Fed bei ihrer Sitzung Ende Juni als möglich.

Die Industrieproduktion ging im Mai um 0,8 Prozent gegenüber April zurück, teilte die Fed mit. Analysten hatten lediglich mit einem halb so großen Rückgang gerechnet. Auch die April-Daten wurden weiter nach unten korrigiert, von 0,3 auf 0,6 Prozent Rückgang. Die Industrie arbeitete im Mai mit einer Auslastung von 77,4 Prozent - der niedrigste Wert seit August 1983.

Vor allem die Produktion von Computern, Chips und Digitalgütern ging nach Angaben der Fed zurück. Allein die Hersteller von Halbleitern und ähnlichen Produkten mussten einen Einschnitt von 1,1 Prozent hinnehmen. Der Bedarf der Geschäfte wurde aus den Beständen gedeckt. Die Produktion von Autos und Lastwagen zog dagegen im Mai leicht an. Die Hersteller hätten ihre Bestände im 1. Quartal abgebaut, hieß es. Der Automobilkonzern Ford etwa erhöhte seine Produktion im 2. Quartal von 1,06 Millionen auf 1,13 Millionen Autos.

Seit August vergangenen Jahres wurden insgesamt rund 750 000 Arbeitsplätze abgebaut. Um ein Abrutschen in die Rezession zu vermeiden, hat die Fed seit Jahresbeginn bereits mehrfach die Zinsen für Tagegeld gesenkt. Der Zinssatz liegt mit vier Prozent bereits auf einem Siebenjahrestief. Die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses ist am 26. und 27. Juni.

Ursache für den Anstieg der Verbraucherpreise waren die hohen Energiekosten, die um 3,1 Prozent zulegten. Ohne Nahrungsmittel und Energie stieg das Preisbarometer binnen Monatsfrist um 0,2 Prozent. Auf Jahresbasis stiegen die Preise in den ersten fünf Monaten um vier Prozent, nach 3,4 Prozent im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

"Wenn Unternehmen die höheren Energiekosten an die Kunden weitergeben würden, wäre das ein Problem. Aber sie können es nicht, wegen der schwachen Nachfrage", sagte Mark Vitner, Analyst beim Brokerhaus First Union Securities in Charlotte, der Agentur Bloomberg. Im April waren die Verbraucherpreise um 0,3 Prozent gestiegen.

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