Wirtschaft : US-Konjunktur: Wall Street sieht Zinsfantasie schwinden

Überraschend gute US-Arbeitsmarktdaten haben am Freitag die Zinsfantasie an der Wall Street gedämpft und Kursverluste im frühen Geschäft ausgelöst. Die US-Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft sank im Juli 2001 im Vergleich zum Vormonat um 42 000 Stellen, berichtete das US-Arbeitsministerium. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 4,5 Prozent. Volkswirte hatten mit einer Rate von 4,6 Prozent und einem Stellenrückgang von 50 000 gerechnet.

"Eigentlich sind die Zahlen erfreulich. Aber einige Investoren befürchten, dass die US-Notenbank die Zinsen nicht mehr um 50 Basispunkte senkt sondern nur um 25", sagte Peter Cardillo, Director of Research bei Westfalia Investments. Der Dow-Jones-Index notierte eine Stunde nach Handelsbeginn mit 0,81 Prozent im Minus bei 10 465 Punkten. Der technologielastige Nasdaq-Index gab 1,13 Prozent auf 2064 Zähler nach.

Nach der schwachen Eröffnung der US-Börsen gerieten auch die deutschen Standardwerte leicht unter Druck. Der Dax sank bis 17 Uhr um 0,23 Prozent auf 5764 Punkte. Am Neuen Markt baute der Nemax-50 seine Verluste auf minus 2,73 Prozent aus. Das entspricht einem Stand von 1227 Zählern. Der Euro büßte infolge der Arbeitsmarktdaten einen viertel US-Cent ein und sackte auf ein Tagestief von 0,8775 Dollar ab. "Die Zahlen machen Mut, dass es vielleicht doch keine Abwärtsspirale gibt und sich die US-Wirtschaft schon auf dem Weg der Erholung befindet", sagte Robert Blake, Volkswirt bei Royal Bank of Scotland Financial Markets.

Börsenexperte schockiert Anleger

Mit der Vorhersage eines Börsencrashs in der kommenden Woche hat der Chefstratege von Dresdner Kleinwort Wasserstein, Albert Edwards, die ohnehin schon verunsicherten Anleger schockiert. Edwards sagte der Tageszeitung "Die Welt", am 7. August - also am kommenden Dienstag - werde es einen Einbruch von über 20 Prozent an der New Yorker Wall Street geben. Die meisten Analysten reagierten verblüfft. Börsenexperte Wolfgang Gerke bezeichnete eine derartige Prognose als unverantwortbar für einen Chefstrategen.

Als Auslöser für den Einbruch sieht Edwards laut "Welt" die neuen US-Konjunkturdaten. So würden am nächsten Dienstag die Produktivitätszahlen für das zweite Quartal veröffentlicht. Eine neue Berechnungsmethode werde zu dem Resultat führen, dass es doch nicht so weit her sei mit dem amerikanischen Produktivitätswunder. Das Potenzialwachstum, in dem die Wirtschaft zulegen kann, ohne Inflation zu produzieren, werde nicht wie bisher angenommen bei 3,5 Prozent, sondern bei nur 2,5 Prozent liegen, zitiert "Die Welt" Edwards.

Peter Knacke von der Commerzbank-Wertpapierstrategie für Privatanleger nannte es völlig überzogen, von Crash-Szenarien zu reden. Es gebe zwar etwas Unsicherheit, was die kommenden Zahlen aus USA anbelange. An große Kursstürze glaube er aber nicht. Für ein nachhaltiges Wachstum an den Börsen wäre aber eine Bestätigung durch weitere Konjunkturindikatoren notwendig.

Volker Haas von der Vereins- und Westbank in Hamburg erwartet ebenfalls keinen Crash, vor allem nicht in der nächsten Wochen. Als Gründe nannte er unter anderem die angekündigten Steuersenkungen und erwartete weitere Zinssenkungen in den USA. In den Vereinigten Staaten werde man zudem eine schnellere Wirtschaftsbelebung als im Euroland sehen. Denn die Europäische Zentralbank könne angesichts des hohen Geldmengenwachstums und hoher Inflation die Zinsen vorerst nicht senken.

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