Wirtschaft : US-Konjunkturdaten enttäuschen erneut

Arbeitsmarkt kommt nicht von der Stelle / Börsen unter Druck

NAME

Berlin (brö). Dürftige Konjunkturnachrichten haben auch am Freitag wieder für Turbulenzen auf den Finanzmärkten gesorgt. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist im Juli weniger stark gesunken als erwartet. In Europa ergab eine Umfrage der EU-Kommission zudem ein sinkendes Verbrauchervertrauen und eine historisch niedrige Kauflust. Auch der deutsche Aktienindex Dax befand sich bis zum späten Nachmittag auf einer Berg- und Talfahrt.

Die Arbeitslosenquote verharrte mit 5,9 Prozent auf derselben Marke wie im Juni, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Die Unternehmen stellten nur 6000 zusätzliche Arbeitnehmer ein – Experten hatten im Schnitt ein Plus von 69 000 erwartet. Vor allem der Abbau von Arbeitsplätzen in der Industrie deutet darauf hin, dass der Aufschwung weiter auf sich warten lässt und die Firmen noch zögern, neue Leute einzustellen. Im Laufe dieser Woche hatte bereits die Nachricht vom schwachen US-Wirtschaftswachstum die Märkte beunruhigt. Nur um 1,1 Prozent war das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Ende Juni im Vergleich zum Vorquartal gewachsen.

Die Wachstumsprobleme haben sich unterschiedlich auf die deutschen Autobauer in den Vereinigten Staaten ausgewirkt. BMW legte im Juli um 16 Prozent zu und verzeichnete in den ersten sieben Monaten einen Rekordabsatz. Porsche setzte 11,3 Prozent mehr Fahrzeuge ab als ein Jahr zuvor. Dagegen verkauften Mercedes und die US-Sparte von Daimler-Chrysler elf und vier Prozent weniger. Insgesamt stiegen die Absatzzahlen in den USA im Juli auf den höchsten Stand in diesem Jahr, was auch eine Folge der zahlreichen massiven Rabattaktionen seit den Anschlägen vom 11. September ist.

Im Zuge der neuen Krisen-Tendenzen wurden auch die Europäer zuletzt immer zurückhaltender. Der Vertrauensindex der Bürger in der Eurozone sank im Juli zum zweiten Mal in Folge, wie die EU-Kommission in einer Umfrage unter 25 000 Haushalten ermittelte. Ein Grund dafür dürfte der zunehmende Stellenabbau der großen Unternehmen sein. Eine Studie der Schweizer Bank Credit Suisse First Boston ergab, dass allein in Konzernen seit Beginn des Jahres 250 000 Stellen abgebaut wurden. Das dürfte sich auch negativ auf den privaten Konsum niederschlagen, der 57 Prozent des Wirtschaftswachstums in der Eurozone ausmacht.

Auch aus Deutschland gab es keine positiven Nachrichten. Die Industriekonjunktur in den neuen Bundesländern kommt nur schwer in Gang, wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Freitag mitteilte. Das Geschäftsklima haben sich im Juli gegenüber Mai kaum aufgehellt, ergab eine Umfrage des IWH unter 300 Unternehmen. Besonders im Maschinenbau und bei den Herstellern von Konsum- und Gebrauchsgütern sei die Situation dürftig gewesen. Auch bei den Aussichten für die kommenden sechs Monate erwarten die Unternehmen in den neuen Ländern keine durchgreifende Besserung ihrer Lage.

Die trüben Aussichten belasteten die Börsen. Der Dax zeigte sich im Handelsverlauf labil und sank am Nachmittag ins Minus auf 3543 Punkte, das war ein Verlust von mehr als 1,7 Prozent. Zuvor war schon der Neue Markt um fast drei Prozent auf 520 Punkte abgerutscht. Auch die US-Börsen starteten schwach in den Handel. Der Dow Jones fiel schnell um mehr als 1,2 Prozent auf 8401 Punkte, die Nasdaq gab um 1,3 Prozent auf 1362 Punkte nach. Allein der Euro profitierte von den schwachen US-Daten. Der Kurs der Gemeinschaftswährung stieg auf knapp 0,99 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzwert mit 0,9873 Dollar angegeben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar