US-Konzern Amway in Berlin : Ein gutes Pflaster für Start-ups

Das US-Unternehmen Amway vertreibt seine Reinigungs- und Kosmetikprodukte übers Wohnzimmer. Der Konzern investiert in Berlin, weil die Stadt für Selbstständige attraktiv ist.

Julia Rotenberger
Ähnlich wie die in Deutschland bekannte US-Firma Tupper vertreibt Amway seine Produkte direkt, zum Beispiel auf Wohnzimmerpartys. Screenshot: Tsp
Ähnlich wie die in Deutschland bekannte US-Firma Tupper vertreibt Amway seine Produkte direkt, zum Beispiel auf Wohnzimmerpartys.Screenshot: Tsp

Berlin - Gerade einmal drei Wochen im Amt, ist der amerikanische Botschafter John Emerson schon viel unterwegs. „Berlin ist inzwischen nicht nur ein Symbol für die persönliche, sondern auch für die unternehmerische Freiheit geworden“, sagte er bei der Eröffnung des Schulungs- und Trainingszentrums des amerikanischen Unternehmens Amway am Freitag. Das Unternehmen stellt Haushaltsreiniger und Kosmetikprodukte her. Allerdings werden die Produkte nicht in Geschäften verkauft, sondern sie werden ähnlich wie Tupperware von selbstständigen Händlern in Wohnzimmern oder über das Internet vertrieben. Im neuen Business-Center am Kurfürstendamm will Amway den Austausch der meist selbstständigen Verkäufer fördern und hier sollen sie die Produkte, die sie vertreiben, ausprobieren können.

Bevor Amway in Berlin investierte, ließ das Unternehmen erst einmal erforschen, wie es um die Unternehmerszene der Hauptstadt steht. Ergebnis: Berlin ist eine Stadt der Selbstständigen und der Gründer. 58 Prozent der befragten Berliner schätzen ihre Stadt als gründerfreundlich ein, ergab eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Innofact. Unter den 20- bis 29-Jährigen sind es sogar 67 Prozent.

„Start-ups kreieren Jobs und sorgen für ökonomische Stabilität“, sagte Botschafter Emerson. Seine Heimatstadt Los Angeles und Berlin seien Partnerstädte, er wolle deren wirtschaftliche Zusammenarbeit auch im Hinblick auf Neugründungen fördern. Zugleich bemängelte er, dass in Deutschland das Scheitern von Gründern noch immer mit Versagen assoziiert werde, während es bei amerikanischen Start- ups dazugehöre. Auch der Geschäftsführer des Verbandes „Gründer und Selbständige“, Christian Bussler, sieht das Gründerklima in Berlin kritisch: „Die unternehmerische Freiheit ist in Deutschland nur begrenzt gegeben“, sagte er. Gerade Teilzeitselbstständige würden daran gehindert, die Selbstständigkeit zu wagen, wegen der hohen Krankenkassenbeiträge zum Beispiel. Für Gründer seien die niedrigen Lebenshaltungskosten in Berlin ein Vorteil. Doch diese Kosten ziehen derzeit an, etwa durch die steigenden Mieten. So überrascht es kaum, dass gerade Menschen mit hohem Einkommen und hoher Bildung Berlin als ein geeignetes Pflaster für Unternehmensgründungen sehen. 72 Prozent jener, die mehr als 3800 Euro verdienen, finden die Stadt zum Gründen geeignet. Julia Rotenberger

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