Wirtschaft : US-Konzern muss Kosten senken - Werksschließungen in Europa erwägt - weiter Marktanteile verloren

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Der Zeitplan nimmt Konturen an: Wahrscheinlich wird Ford-Europa Anfang Mai Details über seine künftige Kapazitätsplanung veröffentlichen. Die Schließung einzelner Werke ist dabei ausdrücklich nicht ausgeschlossen. "In den nächsten Wochen wird eine Entscheidung bekannt gegeben", sagte ein Ford-Sprecher in Köln. Bei der europäischen Ford-Tochter wächst der Druck, bald eine Entscheidung über die Standorte zu treffen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist der Fahrzeug-Absatz der Marke Ford in Westeuropa um mehr als sechs Prozent auf knapp 370 000 Pkw zurückgegangen. Besonders schwierig ist die Lage in Deutschland. Nach den zuletzt vom Kraftfahrtbundesamt veröffentlichten Zahlen konnte Ford im ersten Quartal gerade noch gut 60 000 verkaufen, was einem Marktanteil von 6,8 Prozent entspricht. Der Vergleichswert des Vorjahresquartals lag noch bei 8,9 Prozent.

Auf europäischer Ebene wird bei Ford ein ganzes Maßnahmenbündel diskutiert, wie der Absatz gesteigert werden und der US-Konzern in Westeuropa in die Gewinnzone zurückkehren kann. "Die Ertragslage bleibt schwierig", sagte Ford-Europa-Chef Nick Scheele auf dem Genfer Autosalon auf die Frage, warum der US-Konzern so intensiv über seine Kapazitäten nachdenkt. Eine Schließung droht besonders dem britischen Werk Dagenham, wo Ford den Fiesta für den englischen Markt produziert. Wegen des schlechten Absatzes war die Fertigung dort bereits auf eine Schicht zurückgenommen worden, 1500 Beschäftigte müssen gehen. An den anderen europäischen Standorten will Ford nach Kräften an der Produktivitäts-Schraube drehen. Wenn möglich, soll überall ein Drei-Schicht-Betrieb und eine Jahresfertigung von mindestens 300 000 Autos pro Werk realisiert werden. Erste Erfahrungen mit diesem Modell hat Ford in Deutschland gemacht. "Saarlouis ist sicherlich ein Vorbild", sagt ein Kölner Konzernsprecher. Im saarländischen Werk laufen bereits seit zwei Jahren mehr als 300 000 Exemplare des Focus von den Bändern. Außerdem sehen die Ford-Pläne vor, dass in jedem Werk künftig mehrere Modelle gefertigt werden können. Bislang überwiegt noch der Grundsatz "pro Fabrik ein Auto".

Auch für den deutschen Ford-Stammsitz Köln gibt es Überlegungen, dort künftig nicht mehr nur den Fiesta zu produzieren. An allen europäischen Standorten sollen zudem die Zulieferer stärker integriert werden. Ford will fertige Module und nicht mehr einzelne Teile beziehen. Ein weiterer Ansatzpunkt zur Kostensenkung sind Synergien auf Konzernebene. Wahrscheinlich werden auch Mazda-Modelle in europäischen Ford-Werken produziert; Ford besitzt die industrielle Führerschaft an dem japanischen Autohersteller. Schon jetzt werden Verträge mit Zulieferern geschlossen, die in den kommenden Jahren komplette Fahrzeug-Module für Ford, Mazda und auch die neue Konzerntochter Volvo liefern sollen.

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