Wirtschaft : US-Konzern Verisign kauft Jamba

Internetfirma zahlt 273 Millionen Dollar für das Berliner Handy-Portal / Gründer bleiben im Management

Maurice Shahd

Berlin – Das Berliner Handy-Portal Jamba bekommt einen neuen Eigentümer. 273 Millionen Dollar zahlt der amerikanische Internet- und Telekommunikationskonzern Verisign für das Unternehmen. Berlin werde durch die Übernahme profitieren, sagte Jamba-Vorstand Oliver Samwer dem Tagesspiegel: „Mit dem neuen Eigentümer im Rücken können wir schneller wachsen und die Zahl unserer Mitarbeiter stärker ausbauen als geplant.“ Berlin werde auch weiter Hauptsitz des Unternehmens bleiben, versicherte er.

Oliver Samwer hatte Jamba im Jahr 2000 gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Alexander und Marc gegründet. Neben den Samwer-Brüdern gehören der handelskonzern Metro, der Telekomdienstleister Debitel und eine amerikanische Risikokapitalgesellschaft zu den Eigentümern. Die Gesellschafter haben ihre Anteile jetzt komplett an Verisign verkauft, sagte Oliver Samwer.

Jamba entwickelt und vertreibt Klingeltöne, Bilder und Spiele für Handys. Die Angebote sind vor allem unter jüngeren Handy-Nutzern heiß begehrt. Rund zwei Millionen Downloads verzeichnet das Portal pro Monat. Den Umsatz für das laufende Jahr schätzen Branchenexperten auf mehr als 100 Millionen Euro. Das rasante Wachstum zeigt sich auch bei den Mitarbeiterzahlen. Im April kündigte Jamba an, innerhalb der nächsten zwölf Monate neue 150 Leute einzustellen. Bisher beschäftigen die Kreuzberger 320 Mitarbeiter.

Mit der Übernahme wird sich an der Führung des Unternehmens zunächst wenig ändern. Die Samwer-Brüder bleiben im Management des Unternehmens. Durch „langfristige Verträge“ seien sie an das Unternehmen gebunden, sagte Samwer. „Unser Ziel ist es, jetzt in die USA und nach Asien zu expandieren.“ Das sei auch der Grund dafür gewesen, dass Verisign den Zuschlag bekommen habe. Neben dem US-Konzern hätten sich auch mehrere deutsche und europäische Konzerne für Jamba interessiert, wo die Firma aber bereits Marktführer ist.

Grund für das rege Interesse: Der Markt für Handy-Dienste entwickelt sich zu einem lukrativen Geschäft. In Europa wurden im vergangenen Jahr Klingeltöne im Wert von 800 Millionen Euro verkauft. Bis 2008 sollen es drei Milliarden Euro sein. Neben Start-ups wie Jamba entdecken jetzt die großen Mobilfunkbetreiber, Medienfirmen und Musiklabels den Markt. „Wir müssen die Rechte für Musik oder Themen wie ’Herr der Ringe’ weltweit einkaufen.“, sagte Samwer. Jamba brauche einen internationalen Partner, um die Expansion weiter vorantreiben zu können.

Die drei Samwer-Brüder gehören zu den erfolgreichsten Internetpionieren in Deutschland. Mitte der 90er Jahre bauten sie das Internetauktionshaus Alando auf, das sie 1999 an den Marktführer Ebay verkauft haben. Anschließend gründeten sie Jamba.

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