US-Landwirtschaft : "Wenn ich einen Regentanz kennen würde"

Die Landwirte in den USA leiden unter der schlimmsten Dürre seit 24 Jahren. Sogar die Republikaner fordern Hilfe vom Staat.

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Ein Maisfeld im US-Bundesstaat Illinois im Sommer 2012. Die Hälfte der Felder ist in einem erbärmlichen Zustand.
Ein Maisfeld im US-Bundesstaat Illinois im Sommer 2012. Die Hälfte der Felder ist in einem erbärmlichen Zustand.Foto: AFP

Während die Landwirte hierzulande mit den Wassermassen zu kämpfen haben, erleben die USA die schlimmste Dürre seit 24 Jahren. 60 Prozent der Fläche sind von akutem Wassermangel betroffen. Für 1336 Countys, rund ein Drittel aller Landkreise, wurde Katastrophenstatus ausgerufen.

„Wenn ich einen Regentanz oder ein Regengebet kennen würde – ich würde das anwenden“, sagte Landwirtschaftsminister Tom Vilsack in Washington, nachdem er Präsident Barack Obama über den Ernst der Lage informiert hatte. Die Erntemengen für Feldfrüchte werden sich im Vergleich zu den Vorjahren drastisch verringern. In den sieben Wochen seit dem 1. Juni sind die Preise für Mais um 38 Prozent gestiegen, die für Sojabohnen um 25 Prozent.

Besonders schwer sind Viehzüchter betroffen. Ihnen könnte bald das Wasser zum Tränken der Tiere fehlen. Parallel steigen die Kosten für das Futter. Kurzfristig wird das nach Vilsacks Worten zu sinkenden Fleischpreisen führen. Die Züchter verkaufen Herden verfrüht aus Sorge, dass sie es sich bei steigenden Futterpreisen nicht leisten können, die Tiere eine Saison lang zu mästen. Mittel- und langfristig werden die Fleischpreise jedoch deutlich steigen, bis die Herden wieder mit Jungtieren aufgefüllt sind.

Eine Dürre von vergleichbarer Dimension hatten die USA zuletzt 1988 erlebt. Nach Vilsacks Worten war die betroffene Fläche damals kleiner als heute; doch die Schäden in diesen Gebieten waren größer. In den 1930er Jahren hatte eine Dürreperiode die Farmstaaten im Mittleren Westen getroffen. Seither tragen sie den Spitznamen „Dust Bowl“, Staubschüssel.

Dürrekatastrophen erhalten meist nicht die selbe Aufmerksamkeit in den Medien wie Hurrikans und Tornados. Ihre Folgen für die Wirtschaft wiegen aber oft schwerer. Ökonomen schätzen die Schäden der aktuellen Dürre für die US-Volkswirtschaft auf mindestens 50 Milliarden Dollar.

Für Ackerbauern gibt es eine gewisse Absicherung. Viele haben Versicherungen gegen Ernteausfälle abgeschlossen. Und die Bundesregierung hilft ihnen in solchen Fällen über diverse Programme. Die Absicherungen für Rancher und Viehzüchter seien dagegen schlechter, erklärte Vilsack.

In Zeiten der Globalisierung werden die Ernteausfälle Auswirkungen auf andere Kontinente haben. Als die US-Regierung unter George W. Bush den Anbau von Mais zur Produktion von Ethanol propagierte, um den Ausbau alternativer Energien zu fördern, ließ der Ethanol- Boom den Mais-Preis steigen. Dies löste eine Tortilla-Krise in Lateinamerika aus, wo Maisfladen das „tägliche Brot“ sind.

Würde einen Regentanz aufführen: Landwirtschaftsminister Tom Vilsack. Foto: dapd
Würde einen Regentanz aufführen: Landwirtschaftsminister Tom Vilsack. Foto: dapdFoto: dapd

Vilsacks Antworten auf Fragen nach der internationalen Dimension der Dürre legten allerdings nahe, dass Politiker in einem Präsidentschaftswahljahr vor allem nationale Belange im Blick haben. Die Frage von Andrei Sitov von der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass, ob die beträchtlichen Fleisch-Exporte nach Russland bedroht seien, nutzte Vilsack, um auf jüngste Export-Rekorde zu verweisen und den US-Kongress aufzufordern, Russlands WTO-Beitritt endlich zu ratifizieren.

Die Frage, ob die Notlage ein Anlass sein könnte, den Import von Futtermitteln aus dem Ausland zu erleichtern und den Viehzüchtern so zu helfen, ihre Herden über die Dürrezeit zu bringen, überraschte Vilsack offenkundig. Er sagte, Agrarimporte würden den Preisdruck für Viehzüchter nicht lindern, ohne das näher zu begründen.

Die Hauptantwort beider politischer Lager im Wahljahr ist die Forderung nach staatlicher Hilfe für die Farmer und Viehzüchter. Das gilt auch für die Republikaner, die den Staat ansonsten verteufeln und prinzipiell mehr Freihandel fordern. Die Landbevölkerung in den Farmstaaten gehört jedoch zu ihren wichtigsten Wählergruppen.

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